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· Löwen-News

Die Löwen von A bis Z: Oliver Roggisch

„The Rogg“ wechselt die Seiten. Oliver Roggisch, Kapitän der Nationalmannschaft und Abwehrchef der Rhein-Neckar Löwen, beendete nach der Saison 2013/14 seine Spielerkarriere, bleibt aber sowohl dem badischen Bundesligisten als auch der DHB-Auswahl in anderer Position erhalten. Uns verrät er seine Sicht auf den Handball von A bis Z.

A wie Abwehr: Das ist die Position, in der ich 15 Jahre lang Akzente setzen konnte. Dort wird buchstäblich die Drecksarbeit gemacht, und es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich mich dort nicht wohlfühlte. Schließlich konnte ich hier meine Stärken einbringen. Im Angriff werden Spiele gewonnen, in der Abwehr Meisterschaften. Dafür zahle ich gerne ins Phrasenschwein – aber das ist einfach so.

B wie Ballkünstler: Das sind alle anderen außer mir. Leider auch im Fußball. Aber es wird besser, es zahlt sich aus, dass wir zum Aufwärmen immer ein bisschen Fußball spielen (lacht). Aber im Ernst: Ich habe früh gemerkt, dass ich Schwerpunkte setzen muss, wenn ich in einem Team spielen wollte, das auch für Titel infrage kommt. Ich hätte sicher auch bei einem Mittelfeldteam weiter als Kreisläufer agieren können, aber ich wollte immer mehr und habe mich deshalb spezialisiert.

C wie Co-Trainer: Das wird nach meinem Karriereende im Sommer nicht meine genaue Aufgabe sein. Unser neuer Trainer Nikolaj Jacobsen kommt zwar ohne Co-Trainer, aber ich sehe mich dann eher als Ratgeber für die Defensive wie das etwa Didier Dinart bei den Franzosen während der EM gemacht hat. Dennoch werde ich immer mit im Training und auf der Bank sein und so ins Coaching reinschnuppern können. Ich freue mich darauf, auch hier etwas mitnehmen zu können.

D wie Dream-Team: Aktuell sind die Löwen mein Dream-Team, diese Mannschaft ist eine Riesen-Truppe, die sich unheimlich weiterentwickelt hat. Früher war ich aber beispielsweise immer ein großer Fan der Nationalmannschaft um Stefan Kretzschmar. Das waren richtige Stars, so eine Goldene Generation werden wir nicht so schnell wieder bekommen. Ein weiteres Dream-Team war die damalige Mannschaft von TUSEM Essen, in der ich mitspielen durfte. Dort habe ich wohl am meisten gelernt und konnte an der Seite meines Idols Dmitri Torgowanow spielen. Außerhalb des Handballs war ich ein großer Fan der Chicago Bulls um Michael Jordan und Scottie Pippen. Für die haben wir uns damals die Nächte um die Ohren gehauen.

E wie Essen: Wie schon gesagt – mit dieser Mannschaft habe ich 2005 mit dem EHF-Cup meinen ersten Titel geholt und hatte Mitspieler wie Gudjon Valur Sigurdsson, Patrick Casal, Michael Haaß oder Oleg Velyky. Trainer war Iouri Chevtsov. Das war eine unheimlich wichtige Zeit für mich und wohl auch der entscheidende Schritt in den Spitzenbereich.

F wie Fische: Ich hatte schon als Kind ein Aquarium oder später in Göppingen in meiner ersten eigenen Wohnung und war schon immer davon fasziniert, welche Ruhe solch eine Szene ausstrahlen kann. Das tut mir heute noch gut. Später lernte ich dann zum Glück mit einem Teichbauer und einem Importeur für Koi-Karpfen die richtigen Leute kennen und war bald von diesem Hobby gefangen. Mein großer Traum ist ein Meerwasser-Aquarium mit Korallen. Ich hoffe, dass ich mir diesen Traum irgendwann erfüllen kann.

G wie Göppingen: Nach der Zeit in Schutterwald war das mein erster Schritt zu einem anderen Verein und in ein selbstständiges Leben. Das war eine heiße Phase mit der ersten eigenen Wohnung. Sportlich wird mir diese Zeit auch immer in Erinnerung bleiben. Frisch Auf spielte seit 1989 in der Zweiten Liga und ist dann 2001 endlich aufgestiegen. Da dabei gewesen zu sein, war eine Riesensache.

H wie Heuberger: Mit dem Bundestrainer verbindet mich unheimlich viel, Martin wohnt 500 Meter von meinem Elternhaus entfernt und als kleine Jungs waren wir in Schutterwald immer hinter dem Tor gesessen, haben Bundesliga-Handball geschaut und natürlich auch Martin Heuberger bewundert, der mir immer ein Vorbild als Kreisläufer und starker Abwehrspieler war. Nicht umsonst habe ich mir dann irgendwann auch die Nummer 4 als Trikotnummer gewählt. Zwischen uns basiert viel auf absolutem Vertrauen, das ist die ideale Voraussetzung, wenn es darum geht, auch mal schwierige Dinge zu besprechen.

I wie Innenblock: Das ist noch mal die Steigerung von Abwehr und war meine Stammposition. Da geht am meisten ab, du hast immer mit dem Kreisläufer zu tun und musst dich zudem um den gegnerischen Spielmacher und kreuzende Rückraumspieler kümmern. Allerdings haben auch die Schiedsrichter diesen Bereich immer besonders im Blick, deshalb kommt man dort nicht immer um Zeitstrafen herum.

J wie Jacobsen: Nikolaj habe ich schon während seiner aktiven Zeit in Kiel bewundert. Er hat immer ganz wenig Platz benötigt und war einer der ersten in der Bundesliga, der Dreher ins Tor platziert hat so wie es heute vielleicht nur Uwe Gensheimer kann. Da dachte ich: Wow, der Typ hat Spaß am Handball. Das hat mir imponiert. Als Trainer hat er in Dänemark ebenfalls bewiesen, dass er mit jungen Spielern umgehen kann und ist auf Anhieb Meister geworden. Ich habe schon ein paar Mal mit ihm telefoniert und freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihm.

K wie Karriereende: Ich glaube, ich habe den richtigen Zeitpunkt gewählt und ich freue mich auf die neuen Aufgaben.

L wie Löwen: Als das Angebot nach der WM 2007 kam, musste mich Trainer Iouri Chevtsov nicht lange von diesem Projekt überzeugen, obwohl es auch andere Alternativen gab. Aber ich habe in den vergangenen sieben Jahren keine Minute bereut und habe dem Verein unheimlich viel zu verdanken. Mein Traum war es, hier auch meine Karriere zu beenden und das hat ja nun auch funktioniert. Die Mannschaft hat sich trotz einiger Probleme so stark entwickelt und hat sicher noch Potenzial. Ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt und froh, weiter ein Teil davon sein zu können.

M wie Magdeburg: Ebenfalls eine wunderschöne Zeit in meiner Karriere. Diese Region ist absolut handballverrückt und hat Fans, die alles für den Verein tun würden. Ich hatte das Glück, in einer Mannschaft mit Stefan Kretzschmar, Joel Abati und Johannes Bitter spielen zu können. Auch von Alfred Gislason, als meinem damaligen Trainer, konnte ich viel mitnehmen. Leider hat es dann finanzielle Probleme gegeben und die Mannschaft fiel nach und nach auseinander. Aber 2007 haben wir den EHF-Cup gewonnen – ein weiteres Highlight meiner Karriere.

N wie Nationalmannschaft: Mittlerweile habe ich 200 Länderspiele hinter mich gebracht. Auf diese Marke bin ich schon ein bisschen stolz – auch weil ich nicht der Torjäger vom Dienst bin und eher eine sehr spezielle Rolle ausfülle. Ich habe zehn Turniere gespielt und könnte heute jedes einzelne sofort wieder abrufen. Es hat mich immer stolz gemacht, das Trikot mit dem Bundesadler tragen zu dürfen.

O wie Ohne Muskeln: (lacht) Den Spruch hat Pascal Hens geprägt, der mich während der WM 2007 als „besten Abwehrspieler ohne Muskeln“ bezeichnet hat. Ich war schließlich lange Zeit eher drahtig und habe auch von meiner Größe gelebt. Aber ganz ohne Muskeln geht es nicht, es sind noch ein paar hinzugekommen.

P wie Pokalfinale: Der DHB-Pokal war für uns alle ein Riesen-Ziel. Leider hat es am Ende der Saison 2013/14 für uns nicht zu einem Titel gereicht.

Q wie Qatar: Die WM dort werde ich aus einer anderen Perspektive erleben, aber ich gehe fest davon aus, dabei zu sein, weil sich die deutsche Mannschaft für dieses Turnier qualifizieren wird. Ich freue mich darauf, weil ich von einem perfekt organisierten Wettbewerb ausgehe, bei dem die DHB-Auswahl für Furore sorgen kann.

R wie Rackern: Das ist ein Begriff, der Eins-zu-Eins auf mich übertragen werden kann. Rackern gehört zum Handball eben auch dazu, und es gibt sicherlich genug Fans, die nicht nur das schöne Tor oder ein Kabinettstückchen, sondern auch ehrliche Arbeit in der Abwehr zu schätzen wissen, wenn die sich im Rahmen der Fairness bewegt.

S wie Schutterwald: Wir sind von München nach Schutterwald gezogen, als ich noch ein kleiner Junge war. Meine Eltern haben da immer noch ihr Haus. Im Sommer konnten wir jeden Tag am Baggersee liegen, vielleicht kommt daher meine Affinität zum Wasser. Das war eine tolle Zeit und dort bin ich auch zum Handball gekommen.

T wie Tauchen: Ruhe, Schwerelosigkeit, Begegnungen mit einer anderen Welt – es ist die Kombination von allem, die für mich die Faszination am Tauchen ausmacht. Man muss es wohl selbst erlebt haben, um es nachvollziehen zu können. Ich habe hier schon viel erleben dürfen und Tauchen ist für mich optimal genutzter Urlaub, weil ich zwar nicht der Typ für die Liege bin, so aber dennoch total abschalten kann.

U wie Unparteiische: Wir hatten wirklich nicht immer das beste Verhältnis und es hat eine Weile gedauert, bis ich akzeptieren konnte, dass bei einem Handballspiel alle Fehler machen dürfen – auch die Schiedsrichter. Das ist ein unheimlich schwerer Job.

V wie Vorbereitung: Damit habe ich mich immer schwergetan, und ich bin ehrlich froh, dass ich das demnächst von der anderen Seite erleben darf. Aber in einer Ballsportart wie Handball ist diese Trainingsphase einfach unumgänglich – auch wenn sich der Spaßfaktor in Grenzen hält.

W wie WM 2007: Was soll ich da groß sagen? Das größte Erlebnis in meiner Karriere. Das ganze Land hat Handball gelebt und wir haben den Titel vor den eigenen Fans geholt. Ein echtes Wintermärchen.

X wie XL: Ich hoffe, dass es auch nach der Karriere bei XL bleibt. Das brauche ich in der Länge auf jeden Fall, aber ich hatte auch schon Phasen, in denen ich auf die 100-Kilo-Grenze zugesteuert bin und tatsächlich XXL herhalten musste.

Y wie Youngster: Die Löwen haben für die nächste Spielzeit junge Leute und gleichzeitig ein paar echt gute Typen geholt. Das beste Beispiel ist Mads Mensah Larsen von den Dänen, der eine tolle EM gespielt hat. Vielleicht kann ich diesen Youngstern dann auch etwas von meinen Erfahrungen in der Bundesliga mitgeben.

Z wie Zeitstrafen: Gehören irgendwie zum Regelwerk dazu und ich glaube, ich habe diese Wertung auch ein- oder zweimal gewonnen, wenn man das so sagen kann. Aber darauf bin ich keinesfalls stolz und das hatte sich zuletzt auch stark gebessert. 

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