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· Spielbericht

Hamburger Fluch lässt Löwen-Traum platzen

Rhein-Neckar Löwen scheitern im Halbfinale des REWE Finale Four nach Verlängerung

Alles gegeben und alles verloren. Nikolajs genialer Schachzug, Uwes Nervenstärke bei den Strafwürfen und Mikaels sensationelle Paraden reichten für die Rhein-Neckar Löwen nicht aus, um auch im neunten Anlauf, den DHB Pokal ins Badener Land zu holen. In einer an Dramatik nicht zu überbietenden Halbfinal-Begegnung unterlag die Truppe von Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen trotz einer kämpferisch überzeugenden Leistung nach Verlängerung dem letztjährigen Pokalgewinner SG Flensburg-Handewitt mit 30:31 (28:27/26:26/12:14) Toren. Für die Löwen war es die dritte Halbfinalniederlage im DHB Pokal gegen die Flensburger in Folge.  Vor 13.200 Zuschauer in der ausverkauften Barclaycard Arena in Hamburg konnten die Gelbhemden in den entscheidenden Phasen der Begegnung „die Tür nicht zumachen“, wie sich später Nikolaj Jacobsen ausdrückte, brachten eine 26:24-Führung kurz vor Ende der regulären Spielzeit nicht zum Sieg und verpassten auch in der Verlängerung einen Zwei-Tore-Vorsprung entscheidend auszubauen.

Dabei war einmal mehr alles für den Tabellenführer der DKB Handball-Bundesliga angerichtet. In der großen Show in dem Hamburger Pokaltempel, wo schon 22mal die Endrunde um die Pokal-Trophäe ausgetragen wurde, zeigte der erste Stimmungstest im weiten Rund, dass sich die Löwen der lautstarken Unterstützung ihrer über 1500 mitgereisten Fans sicher sein konnten. Und diese Hilfestellung von den Rängen war auch bitter nötig, denn schon bald zeigte sich, dass der Pokalverteidiger aus Flensburg sein unglückliches Ausscheiden in der Champions League unter der Woche in Kielce mit einer eindrucksvollen Vorstellung vergessen lassen wollte. Mit einer offensive Deckung gegen Löwen-Spielmacher Andy Schmid gelang es zunächst auch, den Motor der Badener etwas zum Stottern zu bringen, doch dafür legten sich besonders die „Halben“ Mads Mensah und Alexander Petersson ins Zeug und machten mächtig Druck auf die SG-Abwehr.

Auf der Gegenseite war es SG-Linkshänder Johan Jakobsson, der in der Offensive die Akzente setzte. Beim 7:5 (14.) hatten die Löwen noch die Nase vorn, um schon drei Minuten später mit 7:8 hinten zu liegen. In der Partie auf Augenhöhe setzten die Torhüter Mikael Appelgren und Mattias Andersson hüben wie drüben Ausrufezeichen, sodass sich kein Team einen entscheidenden Vorsprung herausspielen konnte. In der 22. Minute  führten die Badener 10:9, als Uwe Gensheimer das Leder in das verwaiste SG-Tor warf, doch nach dem 11:10 (26.), das erneut der Löwen-Kapitän markierte, schafften die Norddeutschen bis zum Wechsel ein knappes 14:12.

Dank der Nervenstärke von Uwe Gensheimer am Siebenmeterstrich bestraften die Badener postwendend das harte Abwehrverhalten der SG.  In der 43. Minute  war beim 17:17 der Gleichstand erreicht, ehe unter dem frenetischen Jubel der Löwen-Fans Kim Ekdahl du Rietz und Alexander Petersson ihre Farben mit 19:17 und 20:18 in Front brachten. Der Löwen-Express schien Fahrt aufzunehmen, doch nachdem Hendrik Pekeler einen Heber nur auf das Tornetz setzte und Stefan Kneer zwei Minuten auf die Bank musste, ging es plötzlich Schlag auf Schlag. Prompt lag jetzt die SG mit 23:22 in Führung, weil  Flensburgs Holger Glandorf immer besser traf. Aber auch darauf hatte Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen einer Antwort. Sein genialer Schachzug, Mikael Appelgren aus dem Tor zu nehmen, Andy Schmid  mit dem roten Torwart-Leibchen dirigieren zu lassen und mit zwei Kreisläufern die SG-Defensive zu beschäftigen, brachte nicht nur den Ausgleich, sondern leitete auch eine an Spannung, Dramatik und Hektik nicht zu überbietende Schlussphase ein.

Eben hatte noch Flensburgs Mattias Andersson einen Wurf von Andy Schmid entschärft, da schlug wieder Alexander Petersson zu. Der vierte Treffer des nach seiner Schulterverletzung sensationell aufspielenden Isländers bedeutete 64 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit das 26:24. Als im direkten Gegenzug Holger Glandorf zum 26:25 einwarf, war klar,  dass das Pendel noch nach beiden Seiten ausschlagen konnte. Die Kulisse auf den Rängen heizte die Stimmung auf dem Feld noch weiter auf. 33 Sekunden waren noch zu spielen, da legte Nikolaj Jacobsen den grünen Karton auf den Zeitnehmertisch, um seinen Schützlingen in der Dienstbesprechung die Direktiven für den vermeintlich letzten Angriff zu geben. Doch es kam, wie es nicht kommen durfte. In der Vorwärtskombination unterlief den Löwen ein Ballverlust. Mads Mensah erhielt eine Zeitstrafe, weil er das Spielgerät nicht frei gab. Thomas Mogensen war es dann, der für die Flensburger drei Sekunden vor dem Ende einen Strafwurf herausholte, den Anders Eggert unter dem Jubel der SG-Fans per sehenswertem Heber zum 26:26 verwandelte. Bitter für die Löwen, dass die Abwehraktion, die zum Siebenmeter führte, auch noch mit einer roten Karte für Hendrik Pekeler bestraft wurde.

Der Handballkrimi zwischen dem Tabellenführer und dem Pokalsieger ging nun in die Verlängerung von zweimal fünf Minuten, in der die Löwen in doppelter Unterzahl zunächst auf dem Feld standen.  Doch die Badener zeigten Charakter, Leidenschaft und Moral und gingen bis zu 63. Minute durch Kim Ekdahl du Rietz und Uwe Gensheimer (Strafwurf) 28:26 in Führung. Aber wieder war der Vorsprung nur ein Muster ohne Wert, weil der nächste Angriff verdaddelt wurde, Mogensen auf 28:27 verkürzte und  Holger Glanddorf  zu Beginn der zweiten Halbzeit das 28:28 erzielte. Und noch immer nicht hatte die Spannung ihren Siedepunkt erreicht. Die erneute Flensburger Führung durch Rasmus Lauge zum 29:28 beantwortete Rafael Baena zum 29:29 (67.). Jetzt war das Team von der Förde wieder an der Reihe, als Anders Eggert per Siebenmeter zum 30:29 vollstreckte. Der nächste Löwen-Angriff landete im Nirwana, Ballbesitz für die SG, für die Kentin Mahé das 31:29 besorgte. 31 Sekunden vor dem Ende der Verlängerung gerieten zunächst Flensburgs Rausmus Lauge und Patrick Groetzki aneinander. Nach einem vermeindlichen Schlag von Lauge gegen Groetzki erhielt der Flensburger die rote Karte mit Bericht, ebenso wie Löwen Rafael Baena, der den Dänen von Groetzki wegstossen wollte. Nach der Rechtsordnung des DHB führt dies zu einer vorläufigen (automatischen) Sperre der beiden Akteure im jeweils nächsten Pflichtspiel.Für die Löwen heißt das, dass sie am kommenden Mittwoch ohne Kreisläufer Baena beim ThSV Eisenach antreten müssen, Rasmus Lauge fehlt den Flensburgern dagegen im morgigen Finale um den DHB Pokal. Allerdings kündigten beide Vereine direkt nach dem Spiel einen Einspruch gegen die Sperre ihrer Spieler an.

Uwe Gensheimers elfter Treffer in der Partie zum 31:30-Endstand für die SG Flensburg-Handewitt konnte das erneute Ausscheiden der Löwen im REWE Final Four nicht mehr verhindern. Für Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen war die Niederlage eine „Riesenenttäuschung, denn das Scheitern im letzten Jahr war schon schlimm, dieses Mal war es aber noch schlimmer. Ich bin stolz auf mein Team, denn wir haben immer wieder Lösungen gefunden, die uns geholfen haben. Heute haben Kleinigkeiten das Spiel entschieden“.

Rhein-Neckar Löwen - SG Flensburg-Handewitt 30:31 (28:27/26:26/12:14)

Rhein-Neckar Löwen: Appelgren (15 Paraden), Ristovski (bei zwei Siebenmetern); Schmid (2),Gensheimer (11/8), Kneer, Baena Gonzalez (1), Larsen (3), Pekeler (2), Groetzki (3), Reinkind, Guardiola, Petresson (4), Ekdahl du Rietz (4).

Flensburg-Handewitt: Andersson ( 14 Paraden9, Moeller (bei zwei Siebenmeter), Karlsson, Eggert (4/4), Glandorf (5), Mogensen (5), Svan (2), Jakobsson (4), Toft Hansen (1), Gottfridsson, Lauge (5), Mahé (4), Kozina (1).

Schiedsrichter: Geipel, Helbig (Leipzig, Landsberg) – Zuschauer: 13200 (ausverkauft) – Zeitstrafen: 8 Min. : 10 Min. (Kneer, Larsen, Pekler, Peterssson -  Svan, Toft Hansen, Gottfridsson, Lauge, Kozina) – Rote Karte: Baena, Pekeler – Lauge.

Fotos: Michael Heuberger

 

 

     

 

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