Rhein-Neckar Löwen

Bis zu acht Löwen träumen von Medaillen

Am Sonntag beginnt in Dänemark die Europameisterschaft – Niklas Landins Gastgeberteam ist der große Goldfavorit

Gold, Silber, Bronze und das direkte Ticket zur WM 2015 in Katar – was Oliver Roggisch, Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki durch das Scheitern in der Qualifikation verpasst haben, davon träumen ab Sonntag bis zu acht Löwen-Profis bei der Europameisterschaft in Dänemark.

Insgesamt 16 Mannschaften gehen in vier Gruppen an den Start. Die jeweils drei besten Teams jeder Gruppe (gespielt wird in Herning, Aalborg, Aarhus und Kopenhagen) qualifizieren sich für die Hauptrunde, die in zwei Gruppen in Herning und Aarhus ausgespielt wird.

Die jeweils beiden besten Hauptrunden-Teilnehmer treffen am 24. Januar in Herning in den Halbfinals aufeinander, in der größten Multifunktionsarena Dänemarks (14 000 Plätze) geht es am 26. Januar auch um die Medaillen.

Die drei Edelmetallgewinner qualifizieren sich direkt für die WM 2015 in Katar, schafft es der bereits qualifizierte Weltmeister Spanien (mit dem Löwen Gedeon Guardiola) ins Halbfinale, buchen die drei übrigen Teams direkt ihre Tickets.

Spannend wird es am 26. Januar aber auch für alle übrigen EM-Teilnehmer und die deutsche Mannschaft – denn dann werden in Herning auch die Play-off-Begegnungen für die WM 2015 ausgelost. Deutschland befindet sich in Topf 2, wird somit auf eine Mannschaft treffen, die im EM-Endklassement auf den Plätzen fünf bis 13 rangiert – Hammergegner wahrlich nicht ausgeschlossen.

Um diesen Topf machen sich vor dem EM-Start die bis zu acht Löwen, die in Dänemark auflaufen, keine Gedanken. Als großer Topfavorit auf Gold gilt Gastgeber und Titelverteidiger Dänemark mit Löwen-Schlussmann Niklas Landin. „Wir wollen mindestens ins Halbfinale einziehen, unser Traum ist, vor unserem Heimpublikum im Endspiel zu stehen“, sagte Landin, der am Dienstagabend im französischen Le Mans das letzte Testturnier, die Golden League, mit Dänemark ungeschlagen gewann.

In Gruppe A in der für alle dänischen Spiele bereits ausverkauften Arena in Herning treffen Landin & Co. auf Deutschland-Bezwinger Tschechien, Österreich und Mazedonien – allesamt machbare Aufgaben.  Zudem haben die Dänen – im Gegensatz zu vielen Favoriten – nur wenige Verletzungssorgen. Nikolaj Markussen fiel frühzeitig aus, derzeit bangt Trainer Ulrik Wilbek nur um den Kieler Rasmus Lauge.

Da hat es Weltmeister Gedeon Guardiola  im doppeltem Sinne härter getroffen. Erstens trifft Spanien in der Hammergruppe B auf Island (mit Stefan Sigurmannsson), Ungarn und Bjarte Myrhols Norweger, zweitens mussten zahlreiche Stars die EM absagen, darunter Torwart Arpad Sterbik und Supertalent Alex Djushebajew. Dennoch gelten die Spanier als Favorit auf den Gruppensieg – denn auch die Konkurrenz ist arg gerupft: Bei den Ungarn fällt Weltstar Laszlo Nagy vom nächsten Löwen-Champions-League-Gegner MKB Veszprem mit einem Schienbeinbruch aus, bei den Isländern musste neben vielen anderen auch Löwen-Rückraumspieler Alexander Petersson verletzungsbedingt passen.

Fast alle Mann an Bord heißt es hingegen bei den Norwegern, die allerdings beim Golden-League-Turnier dreimal geschlagen wurden (von Frankreich, Dänemark und Katar). „Unser Kader ist mittlerweile breiter, wir wollen in Dänemark für einige Überraschungen sorgen“, sagte Myrhol dennoch vor der Abreise am Mittwoch.

Kommen Myrhol, Guardiola und Sigurmannsson weiter, geht es in der Hauptrunde in Herning unter anderem gegen Dänemark.

Doppel vertreten sind die Rhein-Neckar Löwen im serbischen Team mit Nikola Manojlovic und Rajko Prodanovic. Auch der EM-Zweite von 2012 kann sich in Gruppe C in Aarhus nicht über zu einfache Gegner beschweren – man trifft auf Olympiasieger Frankreich, die Russen (mit Sergei Gorbok) und Polen. Allerdings steht hinter Gorboks Einsatz in Dänemark noch ein kleines Fragezeichen, er fehlte den Russen beim Vier-Länder-Turnier in Deutschland, wo die Mannschaft von Trainer Oleg Kuleshow prompt drei Niederlagen (gegen Deutschland, Österreich und Island) kassierte.

Ein noch lauteres SOS funkt man bei den Franzosen: Definitiv ausfallen werden Bertrand Gille, Xavier Barachet und fünf weitere Spieler, daneben bangt man um zwei Topstars: Torwart Thierry Omeyer (Bizepsriss) und Kapitän Jerome Fernandez (Mittelhandbruch). Während Omeyer in der Vorrunde definitiv nicht auflaufen wird, könnte Jerome Fernandez es noch schaffen – spätestens dann auch, wenn man weiterkommt. „Eine solche Seuche habe ich noch nie erlebt“, sagte Nikola Karabatic, der in den letzten Tests gegen Landin (Dänemark) verlor und Myrhols Norweger schlug.

Die drei Mannschaften, die aus dieser Gruppe weiterkommen, bleiben in Aarhus und spielen dort möglicherweise gegen Kim Ekdahl du Rietz. Allerdings ist der schwedische Rückraumspieler der Löwen vor dem EM-Start mit einer Handverletzung ebenfalls angeschlagen. An einem Weiterkommen des Drei-Kronen-Teams auch ohne ihren verletzten Star Kim Andersson in Gruppe D (in Kopenhagen) besteht kaum ein Zweifel,  spielt man doch gegen Montenegro (das Deutschland das EM-Ticket mit zwei Qualisiegen entriss) und Weißrussland. Topfavorit in dieser Gruppe ist allerdings Dreifach-Bronzegewinner (EM 2012, Olympia 2012, WM 2013) Kroatien, dem als einzigem Topteam alle Stars zur Verfügung stehen.

Nimmt man die Meinung der 16 Trainer läuft in Dänemark alles auf ein Duell Dänemark, Spanien und Kroatien hinaus, möglicherweise auch Frankreich, je nach Besetzung – auf eine Überraschungsmannschaft will sich niemand festlegen.

Löwen-Trainer Gudmundur Gudmundsson hebt die Dänen als Titelverteidiger und Gastgeber ebenso auf den Favoritenschild wie Frankreich, Kroatien und Spanien. Das Zeug zum Coup haben seiner Meinung nach Polen, Serbien, Tschechien und Island.

Sport 1 überträgt zahlreiche Spiele aus Dänemark (auch mit Löwen-Beteiligung) live.

 

Gruppe A in Herning:
Dänemark, Tschechien, Mazedonien, Österreich

Gruppe B in Aalborg:
Spanien, Island, Ungarn, Norwegen

Gruppe C in Aarhus:
Serbien, Frankreich, Polen, Russland

Gruppe D in Kopenhagen:
Kroatien, Schweden, Weißrussland, Montenegro