Rhein-Neckar Löwen scheitern im Halbfinale des REWE Finale Four nach Verlängerung

Dabei war einmal mehr alles für den Tabellenführer der DKB Handball-Bundesliga angerichtet. In der großen Show in dem Hamburger Pokaltempel, wo schon 22mal die Endrunde um die Pokal-Trophäe ausgetragen wurde, zeigte der erste Stimmungstest im weiten Rund, dass sich die Löwen der lautstarken Unterstützung ihrer über 1500 mitgereisten Fans sicher sein konnten. Und diese Hilfestellung von den Rängen war auch bitter nötig, denn schon bald zeigte sich, dass der Pokalverteidiger aus Flensburg sein unglückliches Ausscheiden in der Champions League unter der Woche in Kielce mit einer eindrucksvollen Vorstellung vergessen lassen wollte. Mit einer offensive Deckung gegen Löwen-Spielmacher Andy Schmid gelang es zunächst auch, den Motor der Badener etwas zum Stottern zu bringen, doch dafür legten sich besonders die „Halben“ Mads Mensah und Alexander Petersson ins Zeug und machten mächtig Druck auf die SG-Abwehr.
Auf der Gegenseite war es SG-Linkshänder Johan Jakobsson, der in der Offensive die Akzente setzte. Beim 7:5 (14.) hatten die Löwen noch die Nase vorn, um schon drei Minuten später mit 7:8 hinten zu liegen. In der Partie auf Augenhöhe setzten die Torhüter Mikael Appelgren und Mattias Andersson hüben wie drüben Ausrufezeichen, sodass sich kein Team einen entscheidenden Vorsprung herausspielen konnte. In der 22. Minute führten die Badener 10:9, als Uwe Gensheimer das Leder in das verwaiste SG-Tor warf, doch nach dem 11:10 (26.), das erneut der Löwen-Kapitän markierte, schafften die Norddeutschen bis zum Wechsel ein knappes 14:12.
Eben hatte noch Flensburgs Mattias Andersson einen Wurf von Andy Schmid entschärft, da schlug wieder Alexander Petersson zu. Der vierte Treffer des nach seiner Schulterverletzung sensationell aufspielenden Isländers bedeutete 64 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit das 26:24. Als im direkten Gegenzug Holger Glandorf zum 26:25 einwarf, war klar, dass das Pendel noch nach beiden Seiten ausschlagen konnte. Die Kulisse auf den Rängen heizte die Stimmung auf dem Feld noch weiter auf. 33 Sekunden waren noch zu spielen, da legte Nikolaj Jacobsen den grünen Karton auf den Zeitnehmertisch, um seinen Schützlingen in der Dienstbesprechung die Direktiven für den vermeintlich letzten Angriff zu geben. Doch es kam, wie es nicht kommen durfte. In der Vorwärtskombination unterlief den Löwen ein Ballverlust. Mads Mensah erhielt eine Zeitstrafe, weil er das Spielgerät nicht frei gab. Thomas Mogensen war es dann, der für die Flensburger drei Sekunden vor dem Ende einen Strafwurf herausholte, den Anders Eggert unter dem Jubel der SG-Fans per sehenswertem Heber zum 26:26 verwandelte. Bitter für die Löwen, dass die Abwehraktion, die zum Siebenmeter führte, auch noch mit einer roten Karte für Hendrik Pekeler bestraft wurde.
Uwe Gensheimers elfter Treffer in der Partie zum 31:30-Endstand für die SG Flensburg-Handewitt konnte das erneute Ausscheiden der Löwen im REWE Final Four nicht mehr verhindern. Für Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen war die Niederlage eine „Riesenenttäuschung, denn das Scheitern im letzten Jahr war schon schlimm, dieses Mal war es aber noch schlimmer. Ich bin stolz auf mein Team, denn wir haben immer wieder Lösungen gefunden, die uns geholfen haben. Heute haben Kleinigkeiten das Spiel entschieden“.
Rhein-Neckar Löwen – SG Flensburg-Handewitt 30:31 (28:27/26:26/12:14)
Rhein-Neckar Löwen: Appelgren (15 Paraden), Ristovski (bei zwei Siebenmetern); Schmid (2),Gensheimer (11/8), Kneer, Baena Gonzalez (1), Larsen (3), Pekeler (2), Groetzki (3), Reinkind, Guardiola, Petresson (4), Ekdahl du Rietz (4).
Flensburg-Handewitt: Andersson ( 14 Paraden9, Moeller (bei zwei Siebenmeter), Karlsson, Eggert (4/4), Glandorf (5), Mogensen (5), Svan (2), Jakobsson (4), Toft Hansen (1), Gottfridsson, Lauge (5), Mahé (4), Kozina (1).
Schiedsrichter: Geipel, Helbig (Leipzig, Landsberg) – Zuschauer: 13200 (ausverkauft) – Zeitstrafen: 8 Min. : 10 Min. (Kneer, Larsen, Pekler, Peterssson – Svan, Toft Hansen, Gottfridsson, Lauge, Kozina) – Rote Karte: Baena, Pekeler – Lauge.
Fotos: Michael Heuberger