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Lamadé über die Handball-EM und die Rhein-Neckar Löwen (RNZ)

Löwen-Geschäftsführer Lars Lamadé spricht im RNZ-Interview über die Handball-EM in Polen und seinen Verein

Momentan schaut ganz Handball-Europa nach Polen. Die EM zieht alle in ihren Bann. Dort sind die Besten der Besten unter sich. Klar, dass da auch Lars Lamadé, der Geschäftsführer der Rhein-Neckar Löwen, ganz genau hinschaut. Die RNZ sprach mit ihm.

Lamadé über die Handball-EM und die Rhein-Neckar Löwen

Was trauen Sie Deutschland bei der EM zu?

Schwierig zu sagen. Die Mannschaft hat einen tollen Teamgeist und hat sich auch im ersten Spiel toll präsentiert, gegen Spanien war ja auch nicht unbedingt ein Sieg zu erwarten, aber die vielen Ausfälle sind in meinen Augen nicht zu kompensieren. Ich denke eine Platzierung zwischen dem fünften und achten Rang sollte machbar sein.

Früher war Deutschland mal eine Handball-Macht und hat bei großen Turnieren eigentlich immer zu den Favoriten gehört. Mittlerweile ist das anders. Woran liegt das?

Nach wie vor ist das Problem, dass viele Topspieler aus dem Ausland in Deutschland wichtige Positionen besetzen. Der Trend war besonders nach der WM 2007 sehr stark. Inzwischen gibt es aber auch andere Spitzenvereine in Europa, so dass sich der deutsche Nachwuchs wieder mehr in Szene setzen kann. Ich rechne damit, dass Deutschland in drei, vier Jahren wieder regelmäßig um den Titel mitspielen kann.

Was könnte man machen, um die Nationalmannschaft zu stärken? Ähnlich wie vor einigen Jahren im Fußball verstärkt in die Nachwuchsarbeit investieren?

Ja, die Richtung wurde im Handball nun auch eingeschlagen und wird sich in den nächsten Jahren auszahlen.

Wer ist für Sie der Titelfavorit in Polen?

Ich denke, dass es keinen klaren Favoriten gibt. Polen ist stark und wird vom Publikum noch wahnsinnig gepusht werden. Mit Frankreich ist natürlich immer zu rechnen, sowie Dänemark und Kroatien, die auch jederzeit alle schlagen können. Es wird spannend.

Wenn man versucht, im Handball die letzten zehn Welt- und Europameister zeitlich einzuordnen, tut man sich schwer. Im Fußball ist das anders. Was sicher auch mit dem Vier-Jahres-Modus zusammenhängt. Im Handball findet dagegen jährlich ein Großevent statt, ist das vielleicht auch einfach zu viel?

Im Prinzip ist es zu viel, andererseits braucht der Handball diese regelmäßige Aufmerksamkeit durch diese großen Turniere. Daher sehe ich das aktuell als alternativlos an diesem Modus etwas zu ändern.

Beobachten die Rhein-Neckar Löwen bei so einer EM auch den Markt? Sprich hält man Ausschau nach potenziellen Neuzugängen?

Natürlich ist das immer die Gelegenheit nach Spielern Ausschau zu halten. Für unsist es in diesem Jahr aber nicht so wichtig, da unser Kader für die nächste Saison mehr oder weniger steht.

Themenwechsel: Während sich die großen Handball-Nationen in Polen treffen, steht der HSV Hamburg vor dem Abgrund. Wie sehr belastet das die Liga?

Die Entwicklung gerade in der Mitte der Saison ist für den Handball in Deutschland natürlich dramatisch, wenn sie auch nicht ganz überraschend kommt. Wir sind wieder einmal besonders davon betroffen, da wir unser schweres Auswärtsspiel bei dem starken HSV Hamburg bereits gewonnen haben und nun in der anstehenden Rückrunde bei Gegnern antreten müssen, die sich mit Spielern des HSV verstärkt haben.

Das Nachholspiel im DHB-Pokal ist terminiert. Wie zufrieden sind die Löwen mit dem Termin am 24. Februar?

Das war aus unserer Sicht der einzig mögliche Termin. Dass wir in Summe mit diesem zusätzlichen Spiel nach wie vor nicht glücklich sind, ist klar.

Von Daniel Hund