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Bittere Niederlage in Kiel tut Löwen „unfassbar weh“

Nach 60 Minuten Handball im Höchsttempo verlieren die Rhein-Neckar Löwen beim THW Kiel in der letzten Sekunde mit 37:36.

Angriffslustig und mit viel Motivation sind die Löwen an die Förde gereist. Bereits auf der Pressekonferenz im Vorfeld der Kiel-Partie hatte Chefcoach Michel Abt betont, dass der volle Fokus schnell auf dem Spiel bei den Zebras liege. In der Ostseehalle geraten die Löwen zwar zunächst ins Hintertreffen, kämpfen sich mit einer starken Reaktion aber schnell zurück ins Match und übernehmen sogar die Führung. Am Ende einer stark umkämpften Begegnung müssen sich die Badener dem THW auf bitterste Art und Weise mit einem Tor geschlagen geben.

Michel Abt schickt am Donnerstagabend folgende Start-Sieben auf die Platte: David Späth steht im Tor, Niclas Mierzwa und Marius Steinhauser spielen auf den Außenpositionen, Dani Baijens, Haukur Thrastarson und Edwin Aspenbäck bilden das Rückraum-Trio und Jannik Kohlbacher läuft am Kreis auf.

Pausenführung trotz schwierigem Beginn

Haukur Thrastarson im Spiel gegen den THW Kiel
Haukur Thrastarson übernimmt im ersten Durchgang Verantwortung.

Der THW Kiel kommt in der heimischen Merkur Ostseehalle mit viel Tempo und hoher Effektivität in die Partie. Die Rhein-Neckar Löwen haben derweil noch Probleme, ihre Aktionen flüssig auszuspielen. So kommt es, dass Domen Makuc in der achten Minute bereits auf 7:3 stellt. Von der deutlichen Führung der Schwarz-Weißen in der Anfangsphase lassen sich die Badener aber keineswegs verunsichern. Die Defensive, Robert Timmermeister bildet heute zusammen mit Jannik Kohlbacher den Innenblock, gewinnt zunehmend an Stabilität und macht es den Gastgebern immer schwerer, ihre Angriffe erfolgreich abzuschließen. Auch David Späth ist im ersten Durchgang in gewohnter Manier immer wieder zur Stelle. Unter anderem pariert er zwei Siebenmeter und ebnet seinen Teamkollegen damit den Weg zurück ins Spiel.

Mit dem nun entfachten Feuer in der Offensive arbeiten sich die am Donnerstag in Blau auflaufenden Löwen Stück für Stück heran. Haukur Thrastarson, der in den ersten 30 Minuten stolze siebenmal trifft, täuscht einen Pass an, erkennt die entstandene Lücke und netzt zum 9:9-Ausgleich ein. Obwohl das Team von Michel Abt weiterhin solide steht, gelingt es dem THW wenig später wieder, in Führung zu gehen – 13:11. Die Norddeutschen sind offensiv zurück in der Spur und binden nun auch ihre Kreisläufer besser ein.

Die Löwen lassen sich aber auch von diesem Kiel-Intermezzo nicht aus dem Konzept bringen. Der Zugriff in der Defensive bleibt bestehen und vorallem die Kieler Außenzange bringt Späth immer wieder zur Verzweiflung. Offensiv findet das Abt-Team in dieser Phase kreative Lösungen. Angeführt vom auffälligen Thrastarson übernehmen die Löwen in der 28. Spielminute erstmals die Führung, die Dani Baijens auf 18:16 ausbaut. Kurz vor der Pause behält Marius Steinhauser vom Siebenmeterstrich außerdem die Nerven und verwandelt zur knappen 20:19-Halbzeitführung.

Marius Steinhauser trifft an diesem Abend in 9 von 10 Versuchen ins Netz.

Löwen bleiben nach Führungswechsel an Kiel dran

Auch der zweite Durchgang ist von hohem Tempo geprägt. Niclas Mierzwa sorgt mit dem 22:19 erstmals für eine Drei-Tore-Führung. Die Badener kommen auch in der Folge zu freien Abschlüssen, doch Andreas Wolff zeichnet sich in dieser Phase immer wieder aus, wodurch die Zebras ihren Rückstand egalisieren können. Hendrik Pekeler gleicht aus. Paraden, schwierige Abschlüsse und technische Fehler prägen das Geschehen auf beiden Seiten. In der 40. Minute nutzt die Mannschaft von Trainer Børge Lund diese wilde Phase, um nach dem Seitenwechsel erstmals in Führung zu gehen – 26:25.

Kurz darauf wird es bitter für die Löwen. Der THW spielt Lukas Zerbe frei. Kentin Mahé, der bis zu diesem Zeitpunkt im Zusammenspiel mit Dani Baijens positiv aufgefallen ist, versucht einzugreifen, kommt jedoch etwas zu spät und trifft den Rechtsaußen. Mit Videobeweis entscheidet das Schiedsrichter-Gespann auf Rot für den Franzosen. Späth pariert daraufhin den anschließenden Siebenmeter – seinen insgesamt dritten Strafwurf an diesem Abend. Die Löwen bleiben bis in die Schlussminuten am Heimteam dran, ehe die Gastgeber fünf Minuten vor Schluss das Badener Sieben-gegen-Sechs nutzen. Die Zebras erobern in der 56. Spielminute den Ball und führen durch einen Treffer von Elias Ellefsen á Skipagøtu erstmals in dieser Hälfte mit zwei Toren.

Bittere Niederlage „tut unfassbar weh“

Die Löwen müssen sich nach bitterem Ende in Kiel geschlagen geben.

Auch diesmal kämpfen sich die Löwen zurück, lassen nicht locker und setzen Kiel unter Druck. Als die Gastgeber ins Zeitspiel geraten, verfehlt Elias Ellefsen á Skipagøtu das Tor. Tim Nothdurft gleicht anschließend zum 36:36 aus. Es läuft alles auf ein großes Finale in der Schlussminute zu. In der letzten Sekunde pariert dann Späth zwar den Heber von Julian Köster, doch die Schiedsrichter entscheiden, dass dieser nicht frei zum Wurf kommt, und geben Siebenmeter. Eric Johansson nutzt die Chance und verwandelt zum 37:36-Sieg für den THW. Ein bitteres Ende für die Löwen, die damit ohne Punkte aus der Hauptstadt Schleswig-Holsteins abreisen.

Michel Abt: „Das war ein unfassbar schnelles Handballspiel. Am Ende tut das unfassbar weh. Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen. Ich bin aber überzeugt davon, dass uns das Ergebnis zwar heute Abend richtig wehtut, aber die Leistung uns für die nächsten Aufgaben einen richtigen Auftrieb geben wird. Wir wollen dann auch gegen Magdeburg zu Hause wieder alles reinwerfen und dem SCM vielleicht ein Bein stellen.“

Damit das gelingt, wollen die Badener am Sonntag, 25. Oktober, um 15 Uhr im Topspiel gegen den Deutschen Meister in der heimischen SAP Arena an der Kiel-Leistung anknüpfen. Tickets für die Partie gegen den SC Magdeburg gibt’s noch hier.

Löwen: Jensen (1 Parade), Späth (15/3) – Timmermeister, Nothdurft (1), Lassen, Mierzwa (4/3), Steenaerts, Steinhauser (9/1), Seesing (4), Thrastarson (7), Mahé (3), Ciudad Benitez, Jaganjac, Baijens (4), Aspenbäck (3), Kohlbacher (1)

Kiel: Perez de Vargas (4 Paraden), Wolff (7/2) – Faust (1), Duvnjak, Reinkind (1), Köster (3), Laube (2), Johansson (7/3), Ankermann (2), Dahmke (2), Zerbe (5/5), Makuc (5), Pekeler (3), á Skipagötu (3), Büchner (2), Nacinovic (1)

Trainer: Børge Lund – Michel Abt

Schiedsrichter: Steven Heine – Sascha Standke

Zuschauer: 10.156

Strafminuten: / – Robert Timmermeister, Aron Seesing, Haukur Thrastarson, Jannik Kohlbacher

Rote Karte: Kentin Mahé