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Keine große Lust auf dänische Frotzeleien

Mannheim. Die Anspannung steigt. Von Stunde zu Stunde. In jedem Training. Für die Rhein-Neckar Löwen wird es ernst, sehr ernst sogar. Die nächsten Spiele werden zeigen, ob der Handball-Bundesligist wirklich das Zeug zur Meisterschaft hat. Vor den Gelbhemden stehen schwierige Prüfungen, harte Brocken müssen aus dem Weg geräumt werden. Am Sonntag (17.30 Uhr) sind die Badener bei der SG Flensburg-Handewitt gefordert. Der Auftritt in der Campushalle bildet den Auftakt für einen heißen Spätherbst, in dem die weiteren Gegner HSV Hamburg und drei Mal THW Kiel heißen.

„Auf uns kommen schwierige Wochen zu“, sagt Manager Thorsten Storm. Er fiebert den Topspielen entgegen. Ein Gipfeltreffen folgt dem nächsten, Konzentration ist gefragt – und Schwächephasen sind verboten. Kleinigkeiten, so viel steht schon jetzt fest, werden über Freude und Frust, Jubel und Jammer entscheiden.

„Wir wollen gewinnen“

„Wir fahren nach Flensburg, um dort zu gewinnen, auch wenn das keine leichte Aufgabe wird. Ich erinnere mich nur ungern an die vergangene Saison, in der wir einige Probleme mit diesem Gegner hatten, um es mal vorsichtig auszudrücken“, legt der Aufsichtsratsvorsitzende Jesper Nielsen die Messlatte erwartungsgemäß hoch, gleichzeitig warnt der Däne aber vor Überheblichkeit. Mit 32:25 und 30:26 behielten in der zurückliegenden Spielzeit die Norddeutschen die Oberhand. „Diese beiden Niederlagen“, gesteht Nielsen, „haben wehgetan.“

Das liegt beim Geldgeber der Löwen nicht zuletzt daran, dass seine Landsleute in der SG „ihren“ Bundesligisten sehen. Die Frotzeleien im Vorfeld haben bereits begonnen, zumal die Flensburger in der Abschlusstabelle der vergangenen Runde völlig überraschend vor den Gelbhemden standen. „Meine Freunde sagen immer zu mir: Jesper, Du musst schon tiefer in die Hosentasche greifen, wenn Du die Dänen schlagen willst“, berichtet der Aufsichtsratsvorsitzende, der sich diese und ähnliche Kommentare in Zukunft nur allzu gerne ersparen würde. Dass seine Mannschaft ausreichend Potenzial für einen Sieg in der Campushalle hat, steht für Nielsen außer Frage: „Wir sind mittlerweile in der Lage, die großen Partien zu gewinnen. Flensburg wird das Schlüsselspiel: Siegen wir dort, haben wir auch eine gute Chance in Hamburg. Der HSV ist nicht besser als wir.“

Bevor die Löwen aber an das Duell mit dem Pokalsieger denken, müssen sie erst einmal bei der SG bestehen. Und das wird schwer genug, zumal sich die Norddeutschen gestern überraschend von Trainer Per Carlén trennten. Manager Storm weiß, dass auf seine Mannschaft eine ganz unbequeme Aufgabe zukommt. „Wir dürfen es uns in Flensburg nicht erlauben, zehn Minuten zu schlafen“, erinnert er an den schwachen Start der Badener zuletzt gegen TV Großwallstadt. Die Gelbhemden bekommen es jetzt mit einer ganz anderen Hausnummer zu tun. Die Löwen sind gewarnt – sie freuen sich aber auch.

Von Marc Stevermüer

 12.11.2010