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Bittere Pille für die Löwen

26:30-Heimniederlage gegen starke Flensburger

Eine knappe Woche nach dem überragenden 38:22 beim TBV Lemgo ist im Lager der Rhein-Neckar Löwen wieder Ernüchterung eingekehrt. Gegen die SG Flensburg-Handewitt kassierte das Team von Trainer Ola Lindgren eine ärgerliche 26:30 (13:15)-Niederlage.“Uns hat heute leider der letzte Biss gefehlt“, sagte der sichtlich enttäuschte Schwede. „Schade, dass unsere Serie gerade in einem Heimspiel zu Ende geht.“

Fast zwei Monate lag das letzte Heimspiel in der SAP ARENA zurück. Mit dem 32:25 gegen den TV Großwallstadt am 30. September starteten die Löwen ihre Bundesliga-Aufholjagd, blieben in den folgenden sechs Auswärtspartien ungeschlagen und kletterten in dieser Zeit von Platz elf hoch bis auf den dritten Rang. Gegen die zuletzt in fremden Hallen schwächelnden Flensburger begann die Lindgren-Sieben hochkonzentriert und leistete sich in den Anfangsminuten kaum Fehlwürfe. Als nach zehn Minuten auch noch SG-Kreisläufer Michael Knudsen verletzt am Boden liegen blieb und mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Platz musste, schien einem weiteren Erfolg der Löwen nichts mehr entgegenzustehen (9:5, 14.). Der bärenstarke Oscar Carlén hielt die Nordlichter jedoch mit zwei „Hämmern“ aus dem rechten Rückraum im Rennen, allein im ersten Abschnitt kam der Trainersohn auf fünf Einschüsse. Als Ola Lindgren dann Mitte der zweiten Halbzeit kräftig durchwechselte, folgte ein Bruch im Offensivspiel der „Gelbhemden“. Nach Bjarte Myrhols Treffer zum 10:7 glichen die Flensburger binnen kürzester Zeit aus. Thomas Mogensen hatte Feuer gefangen und spornte seine Mitspieler immer wieder lautstark an, sowohl in der Defensive als auch in der Offensive. Begünstigt durch einige überhastete Würfe verzeichnete SG-Keeper Dan Beutler in der Schlussphase der ersten Halbzeit jede Menge Paraden und hatte wesentlichen Anteil daran, dass die Löwen in den letzten vier Minuten ohne Torerfolg blieben und sich ihre 13:12-Führung in einen 13:15-Pausenrückstand verwandelte. Das Spiel war gedreht – und wieder völlig offen.

Die beiden Teams schenkten sich nichts. Flensburg versuchte, den Anfangselan der Löwen nach dem Wechsel durch eine Sonderbewachung für Karol Bielecki (Mogensen) zu stoppen – mit Erfolg. Zwar führte Kapitän Guðjón Valur Sigurðsson seine Farben noch einmal auf ein Tor heran, aber die SG hatte an diesem Abend auf alles eine Antwort. Selbst, als Knudsen-Ersatz Jacob Heinl wegen seiner dritten Zeitstrafe die Rote Karte sah (41.), ließ sich die Carlén-Sieben nicht beirren und zog gar auf vier Tore davon (18:22, 44.). Und Knudsen war nun – mit bandagiertem linken Oberschenkel – wieder am Start. Als er zum 20:24 traf, wurde es langsam eng für die Löwen (51.). Fehlpässe, überhastete Würfe und ein starker Beutler zogen der Lindgren-Sieben den Zahn, eine wirkliche Aufholjagd blieb aus, zumal Carlén und Knudsen wichtige Nadelstiche setzten und der für Henning Fritz in der 46. Minute eingewechselte Sławomir Szmal keinen Ball zu fassen bekam. Unrühmlicher Höhepunkt der Partie war eine Rangelei zwischen Michael Müller und Knudsen in den Schlusssekunden, die zu einem kleineren Handgemenge und zu Roten Karten für die Auslöser der folgenden Rudelbildung führte. Auch „Bad Boy“ Oscar Carlén sah den Karton. Am Ergebnis änderte sich nichts mehr, die Löwen unterlagen mit 26:30.

„Wir waren nicht gut genug und haben unsere Chancen nicht genutzt“, klagte Sigurðsson nach der zweiten Heimniederlage. Der Löwen-Kapitän kritisierte allerdings auch die Unparteiischen. „Es ist sehr ärgerlich, wenn nicht auf beiden Seiten gleich gepfiffen wird.“ Landsmann Snorri Guðjónsson war ebenfalls geknickt: „Wir haben gut angefangen, aber dann im Angriff Probleme bekommen und unser Spiel nicht mehr durchsetzen können. Außerdem hat Beutler heute einen Riesentag erwischt.“

Rhein-Neckar Löwen: Fritz, Szmal (ab 43.) – Stefánsson (5/3), Guðjónsson (4), Bielecki (3) – Groetzki (3), Sigurðsson (3) – Myrhol (5) – Gensheimer, Roggisch, Harbok (1), Manojlović (1), Müller, Klimovets (1).
SG Flensburg-Handewitt: Beutler – Carlén (7), Fahlgren (2), Mogensen (4) – Svan Hansen (4), Christiansen (4/1) – Knudsen (3) – Karlsson, Eggert (2/2), Johanssen, Heinl (3), Petterson (1).
Strafminuten: Manojlović (2), Roggisch (2), Stefánsson (2), Guðjónsson (2) – Svan Hansen (2).
Disqualifikation: Jacob Heinl (41., dritte Zeitstrafe), Thomas Mogensen (53., dritte Zeitstrafe).
Rote Karte: Müller, Knudsen, Carlén (alle 60., wegen Unsportlichkeit).
Trainer: Ola Lindgren – Per Carlén.
Zuschauer: 9.133.
Schiedsrichter: Uwe Prang (Bergheim) / Uwe Reichl (Köln).
Spielfilm: 3:2 (6.), 6:4 (10.), 9:7 (16.), 10:10 (21.), 13:12 (26.), 13:15 (Hz.) – 14:17 (34.), 17:18 (40.), 20:22 (46.), 21:24 (52.), 24:28 (57.), 26:30 (Endstand).
Zeitstrafen: 5 / 8.
Siebenmeter: 3/3 – 4/3.
SG Flensburg-Handewitt: Lars Christiansen wirft an den Pfosten.
Beste Spieler: Myrhol, Sigurðsson – Beutler, Carlén, Mogensen.