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Löwen gegen das weltbeste Team

Heidelberg. (dh) Wer ist die beste Handball-Mannschaft der Welt? Eine knifflige Frage, die Meinungen gehen hier weit auseinander. Viele Experten drängen den THW Kiel in die Pole-Position, andere wiederum bringen mittlerweile gar den HSV Hamburg ins Spiel. Kent-Harry Andersson kann sich da nicht anschließen, sein Blick schweift in die spanische Liga „Asobal“ ab. Er sagt: „Real Ciudad ist die stärkste Mannschaft auf der Welt.“

Die Fakten geben dem Sportlichen Leiter der Rhein-Neckar Löwen Recht. In den letzten vier Jahren stemmten die Südländer drei Mal die Champions-League-Trophäe in die Höhe, zuletzt zwei Mal in Serie. Morgen um 19 Uhr gastiert das Starensemble in Karlsruhe: Die Löwen empfangen Real Ciudad in der Europahalle. Für die Gelbhemden ist es ein echter Härtetest, quasi die Generalprobe vor dem nahenden Bundesliga-Auftakt am fünften September gegen die TuS N-Lübbecke. „Dieser Gegner ist eine ganz große Herausforderung für unser Team“, erklärt Andersson, „aber gerade daheim können wir sie schlagen.“

Wobei die aktuelle Verfassung der Löwen kaum Mut auf ein Erfolgserlebnis macht. Es läuft nach wie vor noch nicht rund in der badischen Manege. Auch am Mittwoch gegen die TSG Friesenheim stotterte der Motor erheblich. Andersson glaubt dennoch an ein baldiges Happy End, ist gar überzeugt davon: „Wir haben eine sehr gute Mannschaft“, betont der 60-Jährige, „wir brauchen einfach etwas Geduld.“ Real Ciudad dürfte übrigens ebenfalls noch nicht in Topform sein: Im spanischen Oberhaus wird erst Mitte September wieder gepasst, gedribbelt und geworfen.

Löwen-Trainer Ola Lindgren wird sicher seine Wunschformation aufbieten. Andrej Klimovets und Alexis Alvanos gehören nicht dazu. Beide werden wohl aussortiert werden, falls sich Interessenten finden – die RNZ berichtete. Wobei vor allem das „Alvanos-Experiment“, der auf der rechten Außenbahn zur zweiten Kraft hinter Patrick Groetzki werden sollte, von Beginn an zum Scheitern verurteilt war. Klar ist aber auch: Mit nur einem etatmäßigen Rechtsaußen kann ein ambitionierter Klub wie die Löwen, der über kurz oder lang die stärkste Handball-Mannschaft der Welt werden will, nicht in die Saison starten.

Falls sich Groetzki verletzen sollte, droht ein Horror-Szenario. Was bleibt ist die Frage, ob man sich einen weiteren Topstar angelt oder ob man sich einen „Jungen Wilden“ angelt. Einen, der sich hinter Groetzki, der endlich Verantwortung übernehmen möchte, in die zweite Reihe einordnet? „Der Klub muss reagieren. Aber für Patrick wäre es schade, wenn ihm ein Weltstar vor die Nase gesetzt wird“, sagt Groetzkis Manager Marc Rapparlie. Es ist ein schmaler Grat zwischen Verärgerung und Verstärkung, zwischen Vertrauen und Verunsicherung.

28.08.2009