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Rhein-Neckar Löwen bereiten dem THW Kiel die Hölle (RNZ)

Beim 24:20-Sieg gegen den Titelverteidiger wird die ausverkaufte SAP Arena zum Tollhaus – Schon sechs Punkte Vorsprung auf THW

Links der Vize-Meister, die Mannschaft der Stunde in der Handball-Bundesliga. Rechts der Meister, der Titelhamster der letzten Jahre. Die Rhein-Neckar Löwen gegen den THW Kiel. Handball-Herz, was willst du mehr?

Offenbar nicht viel. Denn beim Spitzenspiel in der SAP Arena war gestern die Hölle los. 13.200 Zuschauer kamen. Ausverkauft! Und die meisten davon wünschten sich das Gleiche: einen Löwen-Sieg. Egal wie, Hauptsache gewinnen, um so die Tabellenführung weiter ausbauen zu können.

Und aus dem Traum wurde Wirklichkeit. Die Gelben siegten mit 24:20 (13:7). und haben somit bereits sechs Punkte Vorsprung auf die Schwarz-Weißen. „Spitzenreiter, Spitzenreiter“, hallte es von den Rängen. „Es war ein echtes Spitzenspiel“, sagt Teammanager Oliver Roggisch, während draußen gerade die Humba-Party gefeiert wurde. Der lange Blonde lachte: „Ein Riesen-Kompliment an die Mannschaft. Die Abwehr war überragend und unser Torhüter Mikael Appelgren sowieso.“

Geknistert hat es schon weit vor Spielbeginn. Beim Warmmachen wurden tiefe Blicke ausgetauscht. Irgendwie fühlte man sich an zwei Boxer erinnert, zwei Schwergewichtler, die sich unmittelbar vor dem ersten Gong tief in die Augen schauen und dabei Stärke demonstrieren wollen.

Wenig später ging es dann los. Mit ganz viel Kampf und Emotionen. Man spürte gerade bei den Löwen, dass sie unbedingt wollten. Sie legten los wie die Feuerwehr. Erst Andy Schmid, dann Alexander Petersson: 2:0 (4.). Und was machten die Kieler? Die griffen in die Taktik-Trickkiste, liefen eigentlich permanent mit sieben Feldspielern an, während sich ihr Hexer Niklas Landin draußen auf der Bank ausruhte.

Ein Schachzug, der aufging. Die Nordlichter fanden in Überzahl immer wieder Lücken im Löwen-Bollwerk. Nach zehn Minuten glichen sie zum 3:3 aus. Doch die Löwen schlugen zurück. Vor allem auch dank Mikael Appelgren, dem Schweden im Tor der Badener. Mal fischte er sich die Würfe im Spagat, mal im Tiefflug.

In Zahlen: In der 15. Minute lagen die Besten aus dem Südwesten wieder mit 6:3 vorne, berauschten sich an sich selbst. Wobei sich der Spielstand auch am Gesichtsausdruck von Thorsten Storm, dem Geschäftsführer des THW, ablesen ließ. Beim Ex-Löwen zeigten die Mundwinkel in Richtung Arena-Boden.

Wenig später ging es in die Halbzeitpause. Der Spielstand: 13:7. Im Normalfall spricht man da bereits von einer Vorentscheidung. Aber gegen Kiel? Schwer vorstellbar. Da musste doch einfach noch was kommen. Ein Aufbäumen, ein schwarz-weißes Torfeuerwerk.

Und das kam. Tor um Tor kämpfte sich der THW heran (14:11/38.). Das Zittern begann. Der gelbe Einbruch hing auch mit Landin zusammen. Der drehte an seiner alten Wirkungsstätte mächtig auf, parierte auch die „Hundertprozentigen“.

Aber als beim 15:14 (44.) der Ausgleich drohte, ging plötzlich ein Ruck durch das Löwen-Team – und sie schaukelten das Ding mit einem fulminanten Finish über die Zeit

Kein offizielles Statement gab es gestern in Sachen Darko Stanic, der nach RNZ-Informationen nach Katar wechseln wird. Eine Ausstiegsklausel macht es möglich. Der vereinslose Richard Stochl soll ihn beerben – wir berichteten bereits. Der saß gestern im Logen-Bereich. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Von Daniel Hund