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Zwei Stars, eine Mission: Nebenjob Nationaltrainer

Innsbruck. Der eine hüpft, der andere sitzt: Während Staffan Olsson meistens gestikulierend an der Seitenlinie herumtanzt, hockt Ola Lindgren in der Regel mit einer stoischen Ruhe auf der Bank. Unterschiedlicher könnten die beiden Trainer der schwedischen Handball-Nationalmannschaft auf den ersten Blick kaum sein – auch optisch: Auf der einen Seite der schlanke Olsson mit langer Haarpracht, auf der anderen der kräftige Lindgren mit Glatze.

Doch das war es auch schon mit den Unterschieden – sonst würde sich die schwedische Doppelspitze wohl auch nicht so gut verstehen. Eine klare Aufgabenteilung gibt es bei den Skandinaviern nicht. „Wir arbeiten in allen Bereichen zusammen“, sagen die beiden Ex-Spieler unisono. Niemand ist die Nummer eins. „Warum auch?“, fragt Olsson, „wir diskutieren viel während des Spiels und sind meistens einer Meinung.“ Und wenn nicht? „Dann sprechen wir das kurz durch und treffen gemeinsam eine Entscheidung. Das geht aber recht schnell“, berichtet Lindgren von einer unkomplizierten Zusammenarbeit: „Staffan und ich – das ist einfach eine sehr gute Kombination.“ Denn die zwei 45-Jährigen haben mehr Gemeinsamkeiten, als man auf den ersten Blick glauben mag. Als Spieler wurden sie mit Schweden viermal Europa- und zweimal Weltmeister. Und beide trainieren nicht nur die Nationalmannschaft, sondern auch einen Klub.

Immer unter Strom

Olsson betreut den schwedischen Verein Hammarby IF, Lindgren sitzt in der Bundesliga bei den Rhein-Neckar Löwen auf der Bank. Wer jedoch glaubt, dass diese Doppelfunktion das Duo furchtbar belastet, der irrt sich gewaltig. „Es macht mir Spaß, zur Nationalmannschaft zu fahren. Für mich ist es kein Problem, gedanklich von den Löwen auf die EM umzuschalten“, sagt Lindgren, der nicht glaubt, dass irgendeine Seite unter seiner Doppelfunktion leidet: „Es gibt doch kaum Länderspiele, in der Regel bin ich bei den Löwen. Und fürs Nationalteam ist es ein Vorteil, dass Staffan und ich täglich in der Trainingsarbeit stecken.“

Heute (18.15 Uhr/live in der ARD) wollen die Schweden bei der EM Deutschland im direkten Duell aus dem Turnier werfen. „Das ist ein echtes Endspiel“, sagt Olsson, der den Rückraum der DHB-Auswahl fürchtet. Gemessen an den beiden ersten Spielen des deutschen Teams muss er diese Angst aber gar nicht haben.

Vor allem Holger Glandorf wirkte gehemmt. Lindgren kennt den Linkshänder aus gemeinsamen Nordhorner Tagen, ihre beiden Namen stehen stellvertretend für die früheren Erfolge des jetzigen Zweitligisten.

„Ola hat mich geprägt, er ist ein sehr guter Trainer. Auch wenn es bei den Löwen gerade nicht läuft: Er wird die gesteckten Ziele erreichen. Man muss nur die Ruhe bewahren“, sagt Glandorf, auf den umgekehrt auch Lindgren ein Loblied singt: „Im Handball kann sich alles ganz schnell ändern. Holger verfügt über herausragende Qualitäten.“ Der Schwede hätte aber wohl nichts dagegen, wenn Glandorfs Tief auch heute noch andauert.

Von Marc Stevermüer

 22.01.2010