Veröffentlichung:

27:20-Erfolg gegen die HSG Wetzlar

Löwen verteidigen die Tabellenführung

Die Rhein-Neckar Löwen haben die Tabellenführung in der Handball-Bundesliga verteidigt. Die Badener gewannen am Mittwochabend gegen die HSG Wetzlar souverän mit 27:20 (15:12). In der SAP Arena begannen die Gelbhemden die ersten Minuten schwach, spielten die restliche erste Halbzeit mittelmäßig bis gut und im zweiten Durchgang richtig stark.

Es wirkte zu Beginn der Partie, als habe man am Mittwochabend in der SAP Arena ein Video der vergangenen Bundesliga-Begegnungen abgespielt. Denn wie schon gegen Lemgo oder Melsungen starteten die Löwen nicht besonders gut in die Partie. Im Angriff gingen die Gastgeber schludrig mit ihren Möglichkeiten um, hinten konnte vor allem Wetzlars Rückraumspieler Steffen Fäth unbedrängt werfen – nach sechs Minuten führten die Gäste mit 3:1. Vermutlich stellten sich schon viele Besucher auf einen (erneut) engen Spielverlauf ein.

Doch diesmal dauerte die Schwächephase der Löwen nicht 30, 40 oder gar 50 Minuten, sondern war nach eben jenen sechs Minuten beendet. Uwe Gensheimer per Siebenmeter und Stefan Kneer glichen für die Badener aus, die Gäste führten beim 4:3 durch Fäth zwar nochmals, blieben anschließend aber sieben Minuten ohne eigenen Torerfolg – die Löwen zogen auf 7:4 davon (13.). Weil sie in der Abwehr plötzlich wie eine Wand standen – die erste Führung der Gastgeber zum 5:4 durch Gensheimer leitete Kim Ekdahl du Rietz mit einem Block ein. Weil sie im Angriff plötzlich konzentriert ihre Chancen nutzten. Und weil Niklas Landin im Tor der Löwen bis zu diesem Zeitpunkt knapp 50 Prozent der Bälle abgewehrt hatte.

Doch aufgeweckte Löwen hin, aufgeweckte Löwen her. Die HSG Wetzlar, die nach einer zwischenzeitlichen Negativserie nur auf Tabellenrang zwölf steht, ließ sich nicht so einfach abschütteln. Vor allem dank der Treffer des ehemaligen Löwen Steffen Fäth, der nach 22 Spielminuten schon sechs Torre erzielt hatte und von der Löwen-Abwehr kaum zu stoppen war, und der Paraden von Torwart Andreas Wolff, der klasse hielt, unter anderem einen Siebenmeter von Gensheimer entschärfte. So waren die Gäste beim 10:11 (23.) wieder dran.

Und weiter ging es im Ziehharmonika-Effekt: Die Löwen zogen auf 14:10 davon, Wetzlar verkürzte auf 14:12, Gensheimer, der kurz zuvor zum zweiten Mal aus Siebenmetern an Wolff gescheitert war, traf fast mit der Halbzeitsirene zum 15:12. Die Löwen führten also zur Pause, allerdings nur knapp, da ihnen im ersten Durchgang insgesamt trotz guter Leistung zu viele Fehler unterlaufen waren. „Wir haben eigentlich sehr guten Handball gespielt, aber zu viele Bälle verschossen. Fäth und Wolff waren bei Wetzlar sehr stark“, sagte Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen nach dem Spiel.

Nach der Pause stand dann die Abwehr der Löwen klasse, was den Badenern immer wieder Möglichkeiten zu einfachen Treffern per Tempogegenstoß bot. So konnten sich die Gelbhemden langsam aber sicher absetzen, lagen nach 39 Minuten beim 19:13 mit sechs Treffern vorne. Wetzlars Trainer Kai Wandschneider („Wir waren über die gesamte Spielzeit gesehen chancenlos, die Löwen hatten eine bärenstarke Deckung“) versuchte mit einer Auszeit zu verhindern, dass sein Team endgültig den Anschluss verlor. Doch das misslang. Landin fing den nächsten Wurf, leitete somit den nächsten Tempogegenstoß ein, Gedéon Guardiola verwertete diesen. „In zweiten Halbzeit haben wir noch besser agiert“, lobte ein zufriedener Jacobsen.

Vor allem Niklas Landin im Tor der Löwen zeigte nach zuletzt einigen Partien, in denen er keine exzellente Fangquoten hatte wie gewohnt, eine Weltklasseleistung. Der Däne parierte mehrfach gegen in aussichtsreicher Position befindliche Wetzlarer, blieb zwischen der 33. und 43. Spielminute ohne Gegentreffer und hatte zu diesem Zeitpunkt bei 14 Gegentoren schon 15 Paraden gezeigt – so konnte sein Team mit einem beruhigenden 21:14-Vorsprung in die Schlussviertelstunde gehen.

Und da das Spiel zu diesem Zeitpunkt eigentlich entschieden war, waren es in der Schlussphase eher die kleine Dinge, die hängen blieben und die Zuschauer erfreuten: Etwa der Treffer per Kempatrick von Patrick Groetzki zum 24:15 (51.), oder etwa das Comeback von Rechtsaußen Marius Steinhauser („Ein riesen Gefühl, darauf habe ich die ganze Zeit hingearbeitet“) nach langer, langer über 20-monatiger Verletzungspause (53.). Und etwa, dass die Ergänzungsspieler viel Einsatzzeit erhielten. Da war es schon eher zweitrangig, dass Wetzlar das Ergebnis aus seiner Sicht noch etwas erträglicher gestalten, auf sieben Treffer verkürzen konnte.

Rhein-Neckar Löwen – HSG Wetzlar 27:20 (15:12)

Rhein-Neckar Löwen: Landin, Rutschmann (n.e.) – Schmid (3/1), Gensheimer (8/2), Kneer (1), Sigurmannsson, Myrhol (2), Larsen (2), Reinkind (1), Steinhauser, Guardiola (3), Petersson (3), Groetzki (4), Ekdahl du Rietz

HSG Wetzlar: Hombardos (n.e.), Wolff – Lipovina (2), Tiedtke, Rompf (2/1), Weber (2), Laudt (3), Fäth (7), Hahn (1), Bliznac (1), Joli (1/1), Balic, Klesniks, Prieto, Harmandic (1)

Trainer: Nikolaj Jacobsen – Kai Wandschneider

Schiedsrichter: Hanspeter Brodbeck/Simon Reich

Zuschauer: 5657

Strafminuten: 0/6

Siebenmeter: 5/3 – 3/2

Gensheimer scheitert an Wolff

Gensheimer scheitert an Wolff

Rompf scheitert an Landin

Zeitstrafen: – Bliznac (2), Balic (2), Fäth (2)

Spielfilm: 1:3 (6.), 7:4 (13.), 11:8 (21.), 11:10 (23.), 14:10 (28.), 15:12 (Hz.), 20:13 (39.), 21:13 (43.), 24:15 (51.), 27:20 (Ende)

Beste Spieler: Landin, Gensheimer, Guardiola – Wolff, Fäth.