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Basteln, tüfteln, puzzlen – bis zur Perfektion

Mannheim. Die Vergangenheit gehört nicht gerade zu Gudmundur Gudmundssons Lieblingsthemen. Der Trainer der Rhein-Neckar Löwen liebt eher den Blick in die Zukunft, denn die kann er beeinflussen – oder zumindest ein wenig verändern. Zum Beispiel mit einer messerscharfen Analyse des nächsten Gegners. Mit einem intensiven Videostudium oder der richtigen taktischen Marschroute für seine Mannschaft.

Und deshalb dachte der Coach des Handball-Bundesligisten schon kurz nach dem 37:22-Kantersieg der Gelbhemden in der Champions League über den französischen Vizemeister Chambéry Savoie an die nächste Partie. Die Gedanken des Trainers kreisten um das heutige Duell mit dem DHC Rheinland in der SAP Arena (20.15 Uhr).

„Wir haben einen richtigen Lauf. Und den wollen wir fortsetzen. Meine Mannschaft hat gegen Chambéry gut gespielt, das möchten wir wiederholen. Gegen den DHC sind wir der Favorit, wir müssen einen Pflichtsieg landen“, sagte Gudmundsson.

Bis vor wenigen Monaten nannte sich der DHC Rheinland noch TSV Dormagen. Und mit dem Vorgängerverein verbindet den Löwen-Trainer eine gemeinsame Vergangenheit, als der rheinische Klub zusätzlich zur Abkürzung TSV noch den Namen des Chemie-Giganten Bayer trug. Von Sommer 1999 bis März 2001 war Gudmundsson Trainer des TSV Bayer Dormagen. „Das liegt schon eine ganze Weile zurück“, sagte der Isländer, als er sich plötzlich doch mit dem beschäftigen musste, was einmal war. Diese Trainerstation gehört eben zu seinem Lebenslauf. „Es ist sicherlich immer etwas Besonderes, wenn man auf seinen ehemaligen Klub trifft. Aber ich beschäftige mich damit wirklich nicht“, versicherte der 49-Jährige. Das Kapitel Dormagen ist für ihn schon lange geschlossen.

Ein neues hat der Taktikfuchs dagegen bei den Löwen geöffnet. Fünf Spiele, fünf Siege – besser geht es nicht. Der Ex-Profi sieht in dieser Serie aber noch lange keinen Grund, die Zügel schleifen zu lassen. Im Gegenteil. Er bastelt. Er tüftelt. Er puzzelt. Und er analysiert. Jedes Detail. Bei seiner akribischen Arbeit hat der Coach nur eines im Sinn: Siege. „Wir können uns weiter verbessern“, sieht Gudmundsson noch Luft nach oben. Er ist niemals zufrieden und dürfte sich deshalb über die Worte von Henning Fritz freuen: „Wir müssen den nächsten Schritt Richtung Perfektion machen.“

Die Gelegenheit dazu ergibt sich gegen den DHC Rheinland und am Sonntag in der Champions League in Kielce. Nach dem herausragenden Start in die Königsklasse ist für die Löwen, bei denen der ehemalige Spieler David Szlezak Ende des Monats überraschend als Mitarbeiter der Geschäftsstelle ausscheiden und in seiner Heimat Österreich eine neue berufliche Herausforderung annehmen wird, sogar der Gruppensieg möglich. Die favorisierte Konkurrenz aus Kiel und Barcelona muss sich warm anziehen. „Daran verschwende ich keinen Gedanken“, meinte Gudmundsson. Der Isländer beschäftigt sich zwar gerne mit der Zukunft, aber so weit will er dann doch noch nicht denken.

Von Marc Stevermüer

 12.10.2010