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Begeisterung in Grenzen (BNN)

Rhein-Neckar Löwen erfüllen gegen Essen ihre Pflicht / Groetzki und Landin stark

Mannheim. Das Vesperpaket hätte sich gut geeignet für einen Männerausflug an Christi Himmelfahrt: Wurst, Schinken, Brot und Wein gab es als Anerkennung für den besten Spieler. Der Vater des Erfolgs hatte gestern aber wegen des nachmittäglichen Trainings keine Zeit für eine Tour mit Bollerwagen und er konnte den persönlichen Triumph auch nicht in vollen Zügen genießen. „Es war ein bisschen zu viel des Negativen“, befand Patrick Groetzki nach dem 29:21(15:7)-Pflichtsieg der Rhein-Neckar Löwen gegen Schlusslicht TuSEM Essen. Mit acht Treffern war der Rechtsaußen Mann des Matchs.

An Groetzki lag es also nicht, dass sich beim Tabellenzweiten der Handball-Bundesliga die Begeisterung über zwei weitere gewonnene Punkte im Kampf um die Qualifikation für einen Platz in der Champions League in Grenzen hielt. Nur bei einem einzigen Versuch brachte der Nationalspieler den Ball nicht im Tor des kommenden Absteigers unter. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen stimmten bei Groetzki Aufwand und Ertrag. „Wir hatten fast so viele Fehlwürfe wie Tore. Wir waren vorne zu unkonzentriert, als dass alle mit sich zufrieden sein könnten“, kommentierte Löwen-Manager Thorsten Storm den verschluderten Kantersieg vor immerhin 5 118 Zuschauern.

Dass die Löwen auf hohem Niveau klagten, lag neben dem treffsicheren Groetzki, dessen Vorstellung Trainer Gudmundur Gudmundsson „überragend“ nannte, auch am Torhüter. „Niklas Landin hat eine Weltklasseleistung gezeigt mit 19 Paraden in 45 Minuten“, lobte der Coach den später von Jonas Maier abgelösten Dänen. „In der ersten Halbzeit haben wir vorne und hinten gut gespielt, aber in der zweiten Hälfte haben wir nachgelassen, das war nicht gut genug“, resümierte Gudmundsson, der vor allem mit der Ausbeute der Distanzschützen unzufrieden war: „Der Rückraum hatte eine Wurfquote von nur 38 Prozent. Das müssen wir schnell ändern.“

Insbesondere Andy Schmid und Kim Ekdahl du Rietz hatten einen schwarzen Tag erwischt. Alexander Petersson fehlte trotz der einwöchigen Spielpause gleichfalls die Frische, der Halbrechte durfte sich in der zweiten Halbzeit ebenso schonen wie Abwehrchef Oliver Roggisch. Die vielen Wechsel trugen dazu bei, dass in Hälfte zwei viel Stückwerk blieb, was in den ersten 30 Minuten noch wie aus einem Guss ausgesehen hatte. Die zweite Halbzeit für sich betrachtet, endete 14:14. Gudmundsson sah seine personellen Experimente als Wechsel für die Zukunft: „Ich hoffe, dass uns das alles helfen wird.“ Vier Ligaspiele und das Final Four im EHF-Pokal stehen noch an.

Bereits am Samstag (19 Uhr) erwarten die Löwen GWD Minden zum nächsten Heimspiel in der SAP-Arena. „Das wird schwerer als gegen Essen. Die stehen unter Druck, die wollen den Klassenverbleib schaffen und sind deshalb sehr gefährlich“, warnte Gudmundsson seine Spieler davor, den Tabellen-14. zu unterschätzen. Leichter wird es dann am kommenden Dienstag. Beim designierten Meister THW Kiel sind die Löwen krasser Außenseiter.

Rhein-Neckar Löwen: Groetzki 8, Myrhol 4, G. Guardiola 3, Schmid 3/2, Sesum 3, Sigurmannsson 3, I. Guardiola 2, Ekdahl du Rietz 2, Petersson 1.

TuSEM Essen: Leenders 6, Breuer 4/3, Rahmel 3, Kühn 2, Pieczkowski 2, Böhm 1, Keller 1, Seidel 1, Lindt 1.

Von Reinhard Sogl