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Die SAP Arena soll beben und wackeln

Heidelberg. Die meisten wollten nur noch weg, andere wirkten wie gelähmt, konnten sich kaum noch bewegen. Es waren Bilder, die unter die Haut gingen, jeden berührten. Bilder der Enttäuschung, des totalen Frusts. Wieder einmal hatte es für die Rhein-Neckar Löwen nicht gereicht, wieder einmal schnappte ein Konkurrent den Hauptpreis weg. Der HSV Hamburg wurde Pokal-Sieger, erntete den Ruhm, stemmte im heimischen „Wohnzimmer““ den Pott. Die Löwen standen daneben, schauten fassungslos zu, leckten ihre Wunden. „Wir wollten in den ersten drei Jahren den ersten Titel“, betont Manager Thorsten Storm, „und nun waren wir so nah dran. Es fehlte nur das Quäntchen Glück, das man eben braucht. Aber auch das werden wir irgendwann haben.“

Mittlerweile ist eine Woche vergangenen. Sieben Tage, die sich vortrefflich zum Vergessen eigneten. Man war abgelenkt, flog aus, um sich die Nationaltrikots überzustreifen. „Nun hoffen wir, dass alle trotz des Vulkanausbruchs am Montag wieder im Kronauer Trainingszentrum erscheinen“, bangt Storm.

Wichtig wär’s. Es gilt sich neu zu sammeln, einzuschwören auf den Alltag: Die Bundesliga ruft, Minden kommt. Das Schlusslicht kreuzt am Mittwoch um 20.15 Uhr in der SAP Arena auf. Bloß nicht unterschätzen lautet die Devise. Storm mahnt: „Egal, ob Lemgo, Flensburg oder Minden, gegen jeden Gegner gibt es zwei Punkte zu holen. Und die brauchen wir, weil wir nur noch Endspiele haben.“

Genug gewarnt, träumen ist schöner. Die Löwen-Fans haben nämlich schon das nächste Final Four im Visier, das Champions-League-Gipfeltreffen der besten vier europäischen Mannschaften. Es steigt in der Kölner Lanxess Arena (29. und 30. Mai), dort wird zwei Tage lang gepasst und gedribbelt, gejubelt und geweint. Die Badener müssen aber noch eine hohe Hürde überspringen: Kiel wartet, scharrt bereits mit den Zebrahufen. „Für die Kieler ist das Final Four ein Event, das sie unterbewusst bereits fest gebucht haben.“

Das Viertelfinal-Hinspiel steigt am 25. April um 19 Uhr in Mannheim. Und das „Ufo“ dürfte beben und wackeln. Bislang sind rund 8.500 Tickets abgesetzt worden. „Am ersten Tag des freien Verkaufs sind die Karten im Sekundentakt raus“, berichtet Storm, „abends waren es dann rund 2.000.“ Bereuen wird sein Kommen wohl niemand. Alles deutet auf einen Leckerbissen hin. Denn falls die Lindgren-Sieben an die zuletzt gezeigten Leistungen anknüpfen kann, wird es ein Duell auf Augenhöhe. Storm glaubt an sein Personal, sagt: „Wir haben die Möglichkeit, den THW zu schlagen.“ Aber auch: „Kiel ist Kiel und bislang haben wir in dieser Saison zwei Mal gegen sie verloren. Alle bei uns müssten über sich hinauswachsen und bis zum Umfallen kämpfen. Unsere Arena muss wirklich wackeln.“

Viel wird auf Kasa Szmal und Henning Fritz ankommen. Das Torhüter-Duo der Löwen muss sich in einen Rausch „hexen“. Storm sieht es ähnlich: „Im Rückraum sind sie mit Jicha, Narcisse, Ilic oder Andersson besser besetzt als wir. Wobei, wenn Karol einen guten Tag erwischt…“

Neuigkeiten gibt es in Sachen Carlos Prieto. Der spanische Kreisläufer steht nach Informationen der RNZ vor einem Wechsel zum Löwen-Kooperationspartner AG Kopenhagen. Wie es bei Nikola Manojlovic weitergeht, ist hingegen unklar. Storm verrät: „Ola Lindgren und ich sprechen nächste Woche nochmals mit ihm, aberwir können nicht mit einem überfüllten Kader in die nächste Serie gehen.“ Zur Erklärung: Mit Oliver Roggisch und Börge Lund hat man bereits zwei Abwehr-Hünen unter Vertrag. Aber warum wurde mit Roggisch verlängert und nicht mit Manojlovic? Storm: „Zu dem Zeitpunkt als unsere sportliche Leitung sich für Olli entschieden hat, waren Nikolas Leistungen noch nicht so gut.“ Zudem soll der Serbe offenbar einen Dreijahresvertrag gefordert haben.

Von Daniel Hund

 19.04.2010