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Ernüchterung nach unerwartetem Rückschlag

Mannheim. Auch im hohen Norden muss bekanntermaßen gespart werden. Nach ihrem Gastspiel in der Mannheimer SAP Arena stand den Handball-Profis der SG Flensburg-Handewitt noch eine neunstündige Busfahrt durch die Nacht bevor. Doch mit dem 30:26-Sieg bei den Rhein-Neckar Löwen im Gepäck hatten diese Aussichten schnell jeden Schrecken verloren, während bei den Löwen die Stimmung entsprechend im Keller war.

„Ich habe 21 SMS auf dem Handy. Die werde ich alle ungelesen löschen“, hatte der Aufsichtsratschef Jesper Nielsen keine große Lust auf die Frotzeleien seiner Freunde aus der Heimat, die sich über einen Sieg des einzigen „dänischen“ Bundesligisten natürlich immer ganz besonders freuen. „Das kann ich mir jetzt die nächsten drei Monate anhören“, befürchtete der Löwen-Geldgeber mit einem gequälten Lächeln, der auch beim Blick auf die Tabelle wenig Spaß hatte. „Im Kampf um die Champions-League-Plätze haben wir wieder Druck“, meinte Nielsen.

Wenige Meter weiter ordnete Geschäftsführer Thorsten Storm die Niederlage als „total überflüssig“ ein. Weder die Tatsache, dass Flensburg mit dem früh verletzten Michael Knudsen und den beiden Platzverweisen für Ersatzkreisläufer Jacob Heinl und Thomas Mogensen auf dem Papier immer weiter zusammenschrumpfte, noch den erhofften Heimvorteil mit 9133 Fans im Rücken konnten die Löwen nutzen. „Eigentlich sollte diese Halle eine Festung werden“, grübelte Nielsen. Nach drei Heimspielen mit zwei Niederlagen sieht die Bilanz allerdings anders aus. „Wir spielen auswärts definitiv besser“, stellte Storm fest. Offenbar schien die Erwartungshaltung in heimischen Gefilden einige der Löwen-Profis wieder einmal zu lähmen.

Ohne Aggressivität

„Nach den ersten guten 15 Minuten haben wir nie mehr unseren Spielfluss gefunden“, musste auch Kapitän Gudjon Valur Sigurdsson zugeben. Mit einer offensiven Deckung Richtung Hauptwerfer Karol Bielecki war der Löwen-Rückraum schnell auf Eis gelegt. Und dann ließ auch noch die Defensive nach, in der Trainer Ola Lindgren „die nötige Aggressivität“ vermisste.

Schließlich hatte Flensburg noch den erst 21-jährigen Oscar Carlén in seinen Reihen, der genau diese individuelle Klasse einbrachte, die aufseiten der Löwen dieses Mal nicht zum Tragen kam. „Wir sind zuletzt viel für mangelnden Teamgeist kritisiert worden. Jetzt haben wir das Gegenteil bewiesen“, strahlte der Linkshänder nicht nur wegen seiner sieben Tore. Der Schwede wurde beim Gegner ebenfalls als einer der Matchwinner ausgemacht.

„Er hat Flensburg zu Beginn allein im Spiel gehalten“, sagte Nielsen. Carléns Vertrag endet 2011 in Flensburg, zur gleichen Zeit läuft auch der Kontrakt von Ólafur Stefánsson bei den Badenern aus. Vielleicht haben die Löwen-Fans also schon den Nachfolger des Isländers gesehen. „Carlén würde gut zu uns passen. Ihn hätten wir sehr gerne bei uns, aber leider wissen auch einige andere Vereine um seine Qualitäten“, bestätigte Manager Storm das Interesse seines Klubs, der möglicherweise schon sehr bald Ivan Cupic als Neuzugang vorstellt. Gorenje Velenje plagen finanzielle Sorgen, Gehälter sollen ausstehen. Der Verein braucht offenbar Geld – zum Beispiel eine Ablösesumme für Cupic.

Von Thorsten Hof

 27.11.2009