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Erster Dämpfer für Deutschland bei Heim-EM

Durch die Niederlage gegen Frankreich geht es ohne Punkte in die Hauptrunde – Chance aufs Halbfinale dennoch weiter da

Erster Dämpfer für Deutschland bei Heim-EM: Durch die Niederlage gegen Frankreich am Dienstagabend geht das DHB-Team bei der EHF EURO 2024 ohne Punkte in die Hauptrunde. Gegen das Topteam aus dem Nachbarland war man lange auf Augenhöhe, musste in den letzten Minuten dann aber doch abreißen lassen. Das 30:32 (15:17) ist ein Sieg der individuellen Klasse, Robustheit und Cleverness. Doch auch mit diesem Ergebnis bleibt ein Halbfinal-Einzug Deutschlands möglich – zumal die Leistung über weite Strecken absolut in Ordnung war.

Mit dem Schwung der ersten beiden Turniersiege starten die DHB-Jungs feurig. Andi Wolff pariert die drei ersten Würfe auf sein Tor, vorne funktioniert die Achse Knorr/Golla: 4:1 steht es in Minute sechs. Die nächsten sechs Minuten gehören den Franzosen (6:7, 12.). Jetzt dreht Julian Köster auf, trifft dreimal in Folge (9:9, 15.). Knorr macht seine vierte Bude, Wolff sein sechstes Glanzstück, David Späth hält zwei Siebenmeter von Hugo Descat: Deutschland ist weiter voll drin in dieser Partie (12:12, 23.).

Dass man zur Pause ein 15:17 quittieren muss, liegt daran, dass man sich plötzlich Fehler im Aufbau leistet, dem Gegner Steilvorlagen liefert, die dieser eiskalt nutzt. Dennoch: Es ist alles drin für die Jungs von Alfred Gislason. Zentral wird sein, die Fehler im Angriff abzustellen. Der Rest stimmt bis dahin. Durchgang zwei beginnt mit einem Tor von Frankreich-Legende Nikola Karabatic und einer Siebenmeter-Parade von Samir Bellahcene (15:18, 32.). Wichtig, dass Knorr bei 15:19 am Siebenmeterstrich die Nerven behält (16:19), Deutschland hinten den Ball gewinnt und vorne Lukas Mertens nach Klasse-Aktion von Timo Kastening das 17:19 erzielt (34.).

Nach Kastenings technisch anspruchsvollem 18:19 ist wieder alles offen – und die Halle in Berlin auf Betriebstemperatur. Weil für die Franzosen dasselbe gilt, der Angriff voll im Rollen ist, muss das DHB-Team weiter hinterherhecheln (18:21, 38.). Auf die Abwehr kommt es an. Zwei Ballgewinne und ein Siebenmetertor von Juri Knorr später heißt es 23:24 (44.). Die Fans erheben sich, wollen ihre Helden tragen. Die EM-Euphorie bleibt stabil, weil zu spüren ist, wie sehr die Jungs unten auf der Platte um den Sieg kämpfen, so wie Kapitän Golla beim 24:25 (46.).

Dank Knorrs 25:25 und Wolffs elfter Parade geht es auf Augenhöhe in die finale Phase, schnuppern die Deutschen an dem langersehnten Erfolg über ein Topteam (48.). Jetzt wird es ein Krimi. Keiner will einen Fehler machen, beide Abwehrreihen stehen gut. Nach sechs Minuten ohne deutsches Tor steht es 27:29 (55.). Frankreich spielt es clever, findet immer noch einen Pass zum Nebenmann. Nach Kentin Mahés 27:30 braucht es schon fast ein Handballwunder (56.). Vor allem braucht es eine starke Abwehr. Doch dieses Mal fehlen hier die entscheidenden Prozentpunkte, darf Dika Mem zu nah ran (29:32, 58.).

Am Ende sind es zwar keine Punkte, haben sich die Deutschen aber hochachtungsvoll aus der Affäre gezogen gegen einen der Top-Favoriten auf eine EM-Medaille.