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Löwen machen Tür nicht richtig zu (BNN)

Zum neunten Mal beim Final Four gescheitert

Im Blick auf die Gegenwart haben die Rhein-Neckar Löwen einfach nur ein hoch intensives und packendes Spiel gegen einen sehr starken Gegner verloren. In der Summe der zurückliegenden zehn Jahre wird daraus aber ein Trauma oder ein Fluch. Auch beim neunten Anlauf seit 2006 haben die Löwen das Final Four um den DHB-Pokal mit einer Niederlage beendet. Gegen die SG Flensburg-Handewitt unterlagen sie im Halbfinale mit 30:31 nach Verlängerung.

Kim Ekdahl du Rietz war der erste Spieler des Tabellenführers der Liga, der den Schutz der Kabine aufgab und zu beschreiben begann, was eigentlich nicht beschreibbar war. „Ich muss fast lachen“, sagte der Rückraumspieler mit Blick auf die 70 irrwitzigen Minuten in der Hamburger Arena. Die Protagonisten des Verlierers fanden ebenso wenige Gründe für die Niederlage wie die Sieger Gründe für den Erfolg fanden. Die Löwen machten nichts schlechter als die Flensburger, doch die Brutalität eines K.-o.-Spiels erlaubt keine zwei Gewinner.
Weil beide Mannschaften Kampf, Einsatz und Leidenschaft zeigten, die jenseits der Vorstellungskraft lagen und sich ein denkwürdiges Match lieferten, suchten beide Seiten nicht nach logischen Erklärungen. „Vielleicht war es zum Schluss Glück, ich weiß es nicht“, sagte Nikolaj Jacobsen. Der Löwen-Trainer hatte blutunterlaufene Augen, die auf die emotionale Wucht hindeuteten, von der der Coach und seine Spieler erfasst worden waren. „Ich dachte im vergangenen Jahr, dass das Gefühl schlimm ist, aber dieses Mal ist es noch schlimmer“, sagte Jacobsen. Zum vierten Mal hintereinander waren die Löwen im Halbfinale des Pokal-Wettbewerbs an Flensburg gescheitert.
Jacobsen umschrieb wenig später treffend, warum das Finale um den DHB-Pokal mit der SG und ohne die Löwen stattfindet. „Wir haben es nicht geschafft, die Tür richtig zuzumachen“, sagte der Löwen-Coach. Er meinte damit vor allem die Schlussphase in der regulären Spielzeit, als die Badener eine 26:24-Führung 70 Sekunden vor dem Ende nicht in einen Sieg umwandeln konnten. Erst brachte Holger Glandorf die Flensburger auf 25:26 heran, und nachdem die Löwen 20 Sekunden vor dem Ende im Angriff den Ball verloren, musste Hendrik Pekeler drei Sekunden vor Schluss ein Siebenmeter-würdiges Foul begehen. Anders Eggert traf zum 26:26 und brachte sein Team damit in die Verlängerung. Dort gaben die Löwen ein 28:26 noch aus den Händen und verloren in der Schlussminute auch noch Rafael Baena durch eine Rote Karte, die eine automatische Sperre für das nächste Pflichtspiel, am Mittwoch in Eisenach, zur Folge hat. Den Löwen, die Einspruch ankündigten, bleibt jetzt nur noch die Möglichkeit, ihr Titel-Trauma mit dem Gewinn der Meisterschaft zu überwinden. „Wir müssen das jetzt schnell vergessen und was noch Größeres holen“, sagte Ekdahl du Rietz. Der Schwede klang dabei nicht trotzig, sondern entschlossen.
Von Michael Wilkening