Veröffentlichung:

„Wir haben eine Lehrstunde erhalten“ (BNN)

Löwen in Kiel demontiert / Groetzki verletzt

Die Rhein-Neckar Löwen fühlten sich, als wären sie von einer galoppierenden Herde Zebras überrannt worden. Das Spitzenspiel in der Handball-Bundesliga beim THW Kiel geriet zur Demontage für den Tabellenführer. Die Löwen verloren gestern bei den „Zebras“ mit 20:31 (9:12). Die Entscheidung im Titelrennen ist vertagt, Kiel rückte bis auf zwei Punkte an die Badener heran.

„Wir müssen sehen, wie wir auf dieses Spiel reagieren“, sagte Nikolaj Jacobsen. Der Löwen-Trainer hatte sein Team unmittelbar nach dem Match aufzubauen versucht. „Das war ein bitterer Abend für uns, aber es sind auch nur zwei Punkte, die wir verloren haben“, sprach der Däne. Morgen, beim Training in Kronau, wird es ein weiteres Gespräch geben, in dem der Coach seine verbliebenen Akteure auf eine Kraftanstrengung gegen den SC Magdeburg einstimmen wird. Am Samstag (17.15 Uhr) empfangen die Löwen zum Jahresabschluss das Team aus der Börde in der Mannheimer SAP-Arena.
Bitter war, dass in Patrick Groetzki nach Uwe Gensheimer auch der zweite Teil der Flügelzange verletzt ausfiel. Der Rechtsaußen zog sich Ende der ersten Halbzeit eine Wadenverletzung zu. Untersuchungen müssen zeigen, ob der Nationalspieler wie sein Pendant für die anstehende Europameisterschaft ausfällt. „Ich hatte das Gefühl, als ob mir jemand von hinten reingelaufen ist in die Wade. Aber es war niemand da. Dabei hat es dann reingestochen“, berichtete Groetzki. Es ist ausgeschlossen, dass er gegen Magdeburg aufläuft.
In der aufgeheizten Atmosphäre in der Ostseehalle konnte auch Alexander Petersson nach einem Schlag auf den Kopf nicht mehr spielen. „Er konnte nicht mehr richtig sehen“, sagte Jacobsen. Als Entschuldigung führte er die personellen Probleme nicht an.
In der ersten Halbzeit deutete sich schon an, dass die Löwen die Halle als Verlierer verlassen würden. Gegen die 6:0-Abwehr der Kieler fand der Tabellenführer kein Mittel, zudem hatte THW-Keeper Niklas Landin einen guten Tag erwischt. 9:12 lautete der Rückstand nach 30 Minuten. „Bis dahin waren wir eigentlich ganz gut“, befand Jacobsen.
Nach der Pause brachen dann aber alle Dämme. „Wir haben eine Lehrstunde erhalten, wir sind gar nicht mehr durchgekommen“, sagte der Däne. Die Gier der Kieler Spieler war in der Halle spürbar, die Fans peitschten ihre Mannschaft nach vorne und die Löwen brachen unter dem Druck zusammen. Die 20:31-Niederlage war auch in dieser Höhe die logische Konsequenz. Ob die Pleite negative Auswirkungen hat, zeigt sich vermutlich schon gegen Magdeburg.
Von Michael Wilkening