Mannheim. Der Meister kommt – und er ist angeschlagen. Heute (20.15 Uhr) empfangen die Rhein-Neckar Löwen in der Handball-Bundesliga den THW Kiel. Die Norddeutschen produzierten zuletzt reichlich Negativ-Schlagzeilen. Im DHB-Pokal ereilte den Klub beim 28:35-Debakel in Gummersbach überraschend das Aus. Zudem legte sich Trainer Alfred Gislason mit dem Deutschen Handball-Bund (DHB) an. Der Grund: ein Länderspiel zwischen Deutschland und Polen am 17. Juli in Chicago, das mitten in die Saisonvorbereitung fällt.
Heidelberg. Es gibt Handballspiele und es gibt Spitzenspiele, Ladenhüter und Kassenschlager. Die Handballer der Rhein-Neckar Löwen kennen sich diesbezüglich bestens aus: Gegen viele Gegner ist es ein Ding der Unmöglichkeit, die SAP Arena zu füllen. Eine frustrierende Angelegenheit. Doch wie heißt es doch so schön: Ausnahmen bestätigen die Regel. Heute ist so eine Ausnahme, quasi ein Feiertag für die Löwen: Um 20.15 Uhr (live im DSF) kreuzt der THW Kiel im Bösfelder „Ufo“ auf und 13.200 Zuschauer werden dabei sein, wenn die Star-Formation von der Ostsee in der Kurpfalz den Anker wirft.
Vor etwas mehr als einer Woche riss Snorri Guðjónsson die Arme in der Wiener Stadthalle nach oben. Mit der isländischen Nationalmannschaft hatte der Spielmacher gerade das Spiel um den dritten Platz bei der Europameisterschaft gegen Polen gewonnen und seinem kleinen Land damit die zweite Medaille nach Silber bei den Olympischen Spielen 2008 beschert. Der Jubel über EM-Bronze war groß und wurde von Guðjónsson sowie seinen Teamkollegen Ólafur Stefánsson und Guðjón Valur Sigurðsson entsprechend gefeiert. Doch inzwischen ist das kontinentale Kräftemessen von den anstehenden Aufgaben in den Hintergrund gerückt worden, jetzt geht es für Guðjónsson darum, mit den Löwen gut aus den Startlöchern zu kommen. Wie er den THW Kiel schlagen will, verrät der 28-Jährige im Interview.
Die Regionalliga-Truppe der SG Kronau/Östringen II ist zu vielem fähig. Das bewies auch die Leistung beim 36:32-Erfolg über Tabellenführer HBW Balingen/Weilstetten II. Für SG-Verhältnisse war die Zuschauerkulisse mit 400 Fans zufriedenstellend. Kronaus Trainer Christof Armbruster war sichtlich erleichtert: „Wir haben Balingen-Weilstetten von Beginn an vor große Rätsel gestellt und mit einer massiven Abwehr dem Gegner gleich den Schneid abgekauft. Unsere 8:0-Führung war für unsere Gäste zunächst ein Schock, von dem sie sich nicht mehr so recht erholten.“
Kronau. Die Rhein-Neckar-Löwen treffen im Halbfinale des Final Four am 10. April auf den VfL Gummersbach. Das ergab die Auslosung gestern. Das zweite Halbfinale bestreiten TuS Nettelstedt-Lübbecke und der HSV Hamburg.
Kronau/Östringen. Gestern Vormittag um kurz nach 11 Uhr hatte die sportliche Leitung der Rhein-Neckar Löwen gleich in zweifacher Hinsicht Klarheit. Zum einen stand zu diesem Zeitpunkt fest, dass der badische Bundesligist am 10. April im Halbfinale um den deutschen Handball-Pokal auf den Vorjahresfinalisten VfL Gummersbach trifft. Zum anderen hatte sich eine der drängenden Personalfragen im Team von Trainer Ola Lindgren geklärt. Torhüter Henning Fritz zog die Option auf Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrages und wird somit auch in der kommenden Spielzeit bei den Badenern zwischen den Pfosten stehen.
Mannheim. Rund um das Trainingszentrum der Rhein-Neckar Löwen in Kronau baumelten noch die Girlanden und Luftballons des Fasnachtsumzugs vom Sonntag an den Häusern, die berechtigte Feierstimmung nach dem Pokalsieg in Göppingen war beim Bundesligisten gestern aber schon längst wieder dem konzentriert-optimistischen Blick nach vorn gewichen.
Göppingen. Thorsten Storm, 45, hielt es nicht mehr aus. Nervös tippelte er von einem Bein aufs andere, schaute immer wieder auf die Anzeigentafel. Rund 60 Sekunden vor Schluss verschwand der Manager der Rhein-Neckar Löwen dann plötzlich im Bauch der Göppinger EWS-Arena. Beim Wegdrehen huschte ihm ein flüchtiges Lächeln übers Gesicht. Erst eins, dann ein zweites und schließlich schickte er noch ein drittes hinterher. Storm wusste: Hier und heute brennt nichts mehr an. Göppingen war geschlagen, bezwungen von einer Löwen-Mannschaft, bei der diesmal fast alles passte. Storm ballte die Fäuste: „Das war ein geiles Spiel. Wir konnten kämpferisch und spielerisch voll dagegen halten.“ Glücksgefühle pur! Doch es schwang auch Erleichterung mit. Denn eine Pleite wäre dramatisch geworden: Es hätte eine Saison ohne Höhepunkt gedroht, eine Art Graue-Maus-Dasein. Selbst Storm nickt das ab, zumindest indirekt, sagt: „Diesen Sieg haben wir dringend gebraucht.“
Henning Fritz bleibt den Rhein-Neckar Löwen treu, der 35-jährige Torhüter hat heute seinen zum 30. Juni 2010 auslaufenden Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Im Interview mit Radio Regenbogen begründet der Weltmeister von 2007 diese Entscheidung und blickt auf das anstehende Spitzenspiel der Löwen in der Bundesliga gegen den THW Kiel, also genau dem Verein, von dem er vor drei Jahren nach Baden wechselte.
Die Fragezeichen ob der Leistungsstärke der Rhein-Neckar Löwen nach der EM-Pause waren groß, doch mit einer starken Vorstellung im Pokalspiel bei Frisch Auf Göppingen (33:29) haben die Schützlinge von Ola Lindgren die Zweifel zerstreut. Die Badener sind gerüstet für das Gipfeltreffen gegen den THW Kiel. Der aktuelle Deutsche Meister gibt seine Visitenkarte am Mittwoch in der SAP ARENA ab, Spielbeginn ist um 20:15, das DSF überträgt die Begegnung live.
Henning Fritz hat seinen zum 30. Juni auslaufenden Vertrag bei den Rhein-Neckar Löwen um ein weiteres Jahr bis zum 30. Juni 2011 verlängert. „Ich möchte gern weiter erfolgreich Handball spielen und ich sehe bei den Löwen die Perspektiven, dies zu tun“, begründet der 35-jährige Torhüter seine Entscheidung. Seit 2007 ist Fritz für die Löwen am Ball, fühlt sich sehr wohl in Baden. „Wir sind auf einem guten Weg und werden weiter zusammenwachsen. Ich will mit den Löwen Titel gewinnen. Und zu diesen künftigen Erfolgen möchte ich mit guten Leistungen beitragen“, unterstreicht der Keeper, warum er seine Option auf eine Verlängerung wahrnahm.
Das Final Four in Hamburg gilt gemeinhin als spektakulärste Veranstaltung in der Handballszene. Wenn in der Color Line Arena die letzten vier Teams im DHB-Pokal aufeinandertreffen, sind spannende Partien und große Emotionen garantiert. Die Rhein-Neckar Löwen haben sich nach einem 33:29-Erfolg bei Frisch Auf Göppingen zum fünften Mal hintereinander für das Endturnier qualifiziert und wollen am 10. und 11. April erstmals einen Titel nach Baden holen. Auf dem Weg dahin bekommen es die Löwen zunächst mit dem VfL Gummersbach zu tun, das ergab die heutige Auslosung in der Hansestadt. Im anderen Semifinale treffen der HSV Hamburg und TuS N-Lübbecke aufeinander.