Thorsten Storm kennt dieses Gefühl. Und zwar seit Jahren. Doch er will sich nicht daran gewöhnen. Warum auch? Der Manager der Rhein-Neckar Löwen ist ein optimistischer Mensch, der an Siege und das Potenzial seiner Mannschaft glaubt. Doch die lässt ihn in schöner Regelmäßigkeit im Stich. Am Samstag leistete sich der Handball-Bundesligist gegen die MT Melsungen mit dem 30:30 (17:15) den nächsten Patzer. Und so stand Storm mit versteinerter Miene in den Katakomben der SAP Arena und sollte erklären, warum sich die Badener nach dem 32:33 in Hannover erneut einen Ausrutscher erlaubt hatten
Er stand einfach nur da, regungslos, ohne jegliche Körperspannung. Den Daumen am Kinn, den Zeigefinger an der Stirn und die rechte Schulter seitlich gegen das Tribünengeländer gestemmt. Thorsten Storm, der Manager der Rhein-Neckar Löwen, war abgetaucht, versunken in seine eigene Welt. Und die war am Samstagabend dunkel und grau, nicht rosarot. Es herrschte Untergangstimmung vor und in den Katakomben, blankes Entsetzen über einen Punktgewinn, der keiner war.
Nein, glücklich sahen die Löwen nicht aus nach dem Schlusspfiff. Dabei hatten sie doch so viel Glück gehabt, hatten einschonverloren geglaubtes Spiel noch herumgerissen und gegen Melsungen ein 30:30 (17:15)-Unentschieden geschafft. Eine gute Minute vor Spielschluss hatten die Gäste mit ihrem Trainer Michael Roth noch mit 28:30 geführt – sie hätten sich einfach nur Zeit zu lassen brauchen und der Sieg wäre ihnen sicher gewesen.
Als „Stimmungsspieler“ hatte Andy Schmid die Handballprofis der MT Melsungen bezeichnet und gefordert, man müsse den Nordhessen von Anfang an die Lust nehmen. Dieses Vorhaben misslang dem Regisseur der Rhein-Neckar Löwen und seinen Teamkollegen jedoch über weite Strecken, was zu langen und gleichermaßen enttäuschten Gesichtern im Lager des badischen Bundesligisten führte.
Die Rhein-Neckar Löwen haben in ihrem dritten Heimspiel dieser Bundesliga-Saison einen Sieg verpasst – gegen die MT Melsungen kam das Team von Gudmundur Gudmundsson in der Mannheimer SAP Arena nicht über ein 30:30 (17:15)-Unentschieden hinaus.
Nach einer dramatischen Schlussphase trennten sich am Abend die Rhein-Neckar Löwen und die MT Melsungen 30:30 (17:15)-Unentschieden. Vor 5.543 Zuschauern machten die Badener dabei in der letzten Spielminute einen Zwei-Tore-Rückstand wett und sicherten sich gegen das Überraschungsteam der Saison immerhin noch einen Zähler.
Ein Überraschungsteam, das nicht wirklich überrascht, ein Spielmacher im Aufwind, ein Nachwuchsspieler im positiven Handballstress und einmal umsonst zum Derby.
Auf dem Maimarktgelände findet heute die Veterama statt, ein Mekka für Oldtimerfreunde. Gleich nebenan steht die SAP Arena, die heute zu einem Mekka des Handballs werden soll, wenn um 19 Uhr die Überraschungs-Mannschaft der noch jungen Saison bei den Rhein-Neckar Löwen antritt. Obwohl die Mannschaft von Trainer Michael Roth in der Tabelle mit nur einer Niederlage vor den Löwen steht, wollen die Spieler von Coach Gudmundur Gudmundsson im UFO natürlich nicht alt aussehen und ihrer Favoritenrolle gerecht werden.
Als Michael Roth vor Jahresfrist mit seiner neuen Mannschaft MT Melsungen bei den Rhein-Neckar Löwen antrat, waren die Nordhessen nicht mehr als Kanonenfutter und unterlagen mit 25:40. Doch der Ex-Trainer des Löwen-Vorgängers SG Kronau/Östringen schaffte die Wende, verhinderte den Abstieg und betreut nun die „Mannschaft der Stunde“. Vor dem erneuten Duell in der SAP Arena heute Abend (19 Uhr) liegt Melsungen mit 8:2-Zählern sogar vor den Löwen.
In der vergangenen Saison kam MT Melsungen mit 0:18 Punkten und dem neuen Trainer Michael Roth zu den Rhein-Neckar- Löwen. Heute (19 Uhr) stellt der frühere Trainer der SG Kronau-Östringen eine Mannschaft vor, die mit 8:2 Punkten glänzend dasteht. „Alarmstufe Rot(h)” heißt es deshalb bei den Löwen.
Nur die kühnsten Experten hatten erwartet, dass die MT Melsungen nach fünf beziehungsweise sechs absolvierten Partien in der Handball-Bundesliga im Klassement vor den Rhein-Neckar Löwen rangieren würde. Doch die Nordhessen haben sich unter Trainer Michael Roth, der seit rund elf Monaten am Regiepult steht, stabilisiert und rufen nun ihr Potenzial beständig ab.
Trainer Gudmundur Gudmundsson hätte zwar „lieber in der Champions League gespielt“, doch da sich seine Rhein-Neckar Löwen in dieser Saison nicht für die Bel Etage des Handballs qualifizieren konnten, hatte das Rudel bis auf vier deutsche Nationalspieler (Müller, Gensheimer, Groetzki und Roggisch) spielfrei.