Die aufwändige Reise der Rhein-Neckar Löwen in der Champions League nach Kielce liegt hinter dem Team, seit gestern sind Guðmundur Guðmundsson und seine Akteure wieder in der Heimat und bereiten sich seither auf die nächste Aufgabe vor. Am Mittwoch gastieren die Badener in der dritten Runde des DHB-Pokals beim TV Bittenfeld. Die Partie beim Süd-Zweitligisten beginnt um 20 Uhr.
Heidelberg. Es war ein Abend, an den sich kein Löwen-Sympathisant gerne erinnert, der in Bittenfeld dabei war. Damals im September 2009, damals, als die Rhein-Neckar Löwen beim Zweitligisten nur hauchdünn an einer Pokalblamage vorbeigeschrammt waren. 33:32 – nach Verlängerung – stand es am Ende für die Löwen. Manager Thorsten Storm erinnert sich, ungern, aber die Bilder sind da, schmerzen: „Das war sicher einer der knappsten und glücklichsten Siege, die wir errungen haben“, pustet er tief durch.
Kielce. Die Anstrengung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Mariusz Jurasik schwitzte, er schnappte nach Luft. Der Pole in Diensten von Vive Kielce hatte sich im Champions-League-Duell mit seinen Ex-Klub Rhein-Neckar Löwen viel vorgenommen, wollte unbedingt gewinnen. Doch am Ende musste er sich mit einem 23:23 (12:12) begnügen.
Kielce. Die polnischen Fans feierten ihn. Sie riefen Karol Bieleckis Namen und hielten vor der Partie ein riesiges Banner mit dem Gesicht ihres Idols in die Höhe. Der Rückraumspieler der Rhein-Neckar Löwen ist in seiner Heimat ein Held. Er wird verehrt, erst recht nach seinem sensationellen Comeback auf der großen Handball-Bühne.
Das fünfte Spiel der laufenden Saison machte allen Beteiligten richtig Spaß. In der Östringer Stadthalle empfing das Septett der SG Kronau/Östringen II den Mitabsteiger TSV Deizisau. Nach einer Phase des Beschnupperns im Parallelflug (8:8, 12.) lösten sich die Mannen von Rolf Bechtold schließlich entschlossen aus der Formation und verweigerten den Gästen nun ganze elf Minuten jedes Tor. Ein Gesichtstreffer für Daniel Unser schien außerdem den Schalter für den nächsten Gang auch im Angriff getroffen zu haben, so dass Niklas Ruß und Patrick Körner nun munter einnetzten (13:8). Kevin Bitz und Denni Djozic legten bis zum Pausenpfiff (16:14) noch einmal nach.
Es war kein hochklassiges Champions League-Spiel zwischen dem polnischen Meister Kielce und den Rhein-Neckar Löwen, aber immerhin blieb die Partie vor 4400 Zuschauern in der ausverkauften Hala Legionow spannend bis zur letzten Sekunde. Beim Stand von 23:23 drei Sekunden vor Spielende entschärfte Löwen-Keeper Henning Fritz einen Siebenmeter von Kielces Stojkovic und rettete damit seiner Mannschaft einen Zähler im vierten Spiel der Gruppenphase.
Die Rhein-Neckar Löwen haben in der Champions-League-Gruppe A ihren ersten Punktverlust zu verzeichnen: Die Badener trennten sich am Sonntag von KS Vive Targi Kielce mit 23:23 (12:12). Nach dem Duell beim polnischen Meister bilanzierte Löwen-Trainer Guðmundur Guðmundsson: „Wir haben sehr gut in der Defensive agiert. Im Spiel nach vorne hatten wir allerdings zeitweise unsere Probleme, haben zu viel verworfen. Wir hatten unsere Chancen zu gewinnen, aber wir hätten die Partie auch verlieren können. Deshalb müssen wir mit diesem Punkt zufrieden sein.“
Sechs Jahre, von 2003 bis 2009, spielte Mariusz Jurasik für die Rhein-Neckar Löwen. Mit 925 Toren in 155 Bundesliga-Einsätzen hat sich der polnische Rückraumspieler einen Platz in den jungen Annalen – und in den Herzen vieler Fans – erworfen. Seit einem Jahr spielt er nun wieder in seiner Heimat und geht für den KS Kielce auf Torejagd, wurde auf Anhieb Meister und landete in der Torschützenwertung mit 155 Treffern in 25 Begegnungen auf Rang fünf.
Ausschlafen ist für die Rhein-Neckar-Löwen heute ein Fremdwort. Bereits um 7 Uhr düst das Rudel mit dem Bus in Richtung Frankfurter Flughafen. Dort wird eingecheckt, abgehoben nach Polen, Kurs auf die Champions League genommen. Am Sonntag um 15 Uhr wartet nämlich bereits das vierte königliche Kräftemessen: Die Löwen gastieren bei Vive Kielce, dem polnischen Meister, dem Klub von Ex-Löwe Mariusz Jurasik. „Dort erwartet uns ein ganz heißer Tanz“, warnt Löwen-Manager Thorsten Storm, „ein Hexenkessel, in dem unsere Mannschaft ihr allerbestes Gesicht zeigen muss, und ich bin mir sicher, dass sie das auch tun wird.“
Nach dem mäßigen Auftritt der Rhein-Neckar Löwen beim glanzlosen 31:28-Heimsieg gegen den DHC Rheinland steht für die Mannschaft von Trainer Gudmundur Gudmundsson wieder die Champions League auf dem Plan. Am morgigen Sonntag (15 Uhr/live in Eurosport) gibt der badische Handball-Bundesligist beim polnischen Double-Gewinner KS Kielce seine Visitenkarte ab. „In Kielce wartet eine interessante Aufgabe auf uns“, meint der Löwen-Coach vor dem Kräftemessen der beiden Überraschungsteams – im positiven wie im negativen Sinne.
Karol Bielecki spricht nicht mehr gerne über dieses Thema. Er hat es abgehakt und kann die ständigen Fragen nicht mehr hören. Kein Wunder, schließlich fallen die Antworten des Polen stets gleich aus. Der Rückraumspieler der Rhein-Neckar Löwen muss damit leben, dass er vor knapp vier Monaten auf dem linken Auge erblindete. Der Rechtshänder nahm sein Schicksal an und machte das Beste aus der Situation. Er kämpfte verbissen um seine Karriere – und wurde für diesen unglaublichen Ehrgeiz belohnt.
Seit genau drei Wochen ist Guðmundur Guðmundsson mittlerweile als Cheftrainer für die Rhein-Neckar Löwen verantwortlich. In dieser Zeit ist sein Team in allen Wettbewerben ohne Niederlage geblieben. Eine stolze Zwischenbilanz, auf der sich der Isländer aber nicht ausruhen will. Und das auch nicht tun sollte, denn es warten schwere Brocken in den kommenden Tagen. In der Champions League kommt es am Sonntag zum Duell beim polnischen Meister KS Vive Targi Kielce, eine Woche später gastieren die Löwen beim ungeschlagenen Bundesliga-Tabellenführer Füchse Berlin. Zunächst steht aber die Partie in Kielce im Fokus, Anwurf ist am Sonntag, 15 Uhr, Eurosport überträgt die Begegnung live.